20.09.2026
Leute
Skandal - Lisa trinkt Bier im US-TV und Thailand bekommt Schnappatmung
LaLisa mit SaWaDiKa - Som Tam, Bier und ein knallroter Jimmy Fallon
Eigentlich hätte es einfach nur ein ziemlich unterhaltsamer Fernsehauftritt werden können: Thailands internationaler Superstar Lalisa „Lisa“ Manobal sitzt bei Jimmy Fallon in der „Tonight Show“, erzählt ein bisschen über ihre neuen Projekte, bringt etwas thailändische Kultur mit und sorgt nebenbei dafür, dass Millionen Zuschauer plötzlich Lust auf Som Tam, Thailand und vielleicht sogar einen Urlaub in Buriram bekommen.
Doch weil Lisa nicht nur Papayasalat und Chili, sondern auch thailändisches Bier auf den Tisch stellte, entwickelte sich aus ein paar lustigen Fernsehminuten zu Hause in Thailand prompt eine Diskussion über Alkoholwerbung, Medienrecht und die wunderbare Frage, warum eigentlich die halbe Welt eine Bierflasche problemlos sehen darf, während thailändische Medien vorsichtshalber schon einmal den digitalen Filzstift zum Verpixeln herausholen. Man könnte sagen: Soft Power auf thailändische Art – international bitte möglichst sichtbar, national aber vielleicht lieber mit einem kleinen schwarzen Balken darüber.
Jimmy Fallon kann scharf – dachte zumindest Jimmy Fallon
Lisa war am 16. September zu Gast in der „Tonight Show Starring Jimmy Fallon“ und hatte sich offenbar vorgenommen, ihren Gastgeber nicht nur musikalisch, sondern auch kulinarisch ein wenig mit Thailand vertraut zu machen. Also kam Som Tam auf den Tisch, jener wunderbare grüne Papayasalat, bei dem man als Thailand-Neuling sehr schnell lernt, dass die Frage „spicy?“ ohne genauere Mengenangabe ungefähr so präzise ist wie die Wettervorhersage „Es könnte warm werden“.Jimmy Fallon gab sich jedenfalls ausgesprochen selbstbewusst und ließ erkennen, dass scharfes Essen für ihn nun wirklich kein großes Problem sei, was in Thailand traditionell ungefähr der Moment ist, in dem erfahrene Zuschauer beginnen, sich gemütlich zurückzulehnen und auf das unvermeidliche Schauspiel zu warten. Lisa präsentierte verschiedene Zutaten, darunter getrocknete Garnelen und schließlich eine echte Thai-Chili, von der Fallon mutig ein kleines Stück probierte. ⇒ Unser Thai-Chili Guide
Zunächst passierte nicht viel, dann allerdings setzte jener faszinierende biologische Prozess ein, den Thailandurlauber aus eigener Erfahrung kennen: Das Gesicht begann zunehmend in einem sehr dekorativen Rot zu leuchten, die Schweißproduktion nahm sichtbar Fahrt auf und der Ausdruck vermittelte jene wunderbare Mischung aus „Alles bestens!“ und „Kann bitte jemand diskret die Feuerwehr verständigen?“.
Lisa beobachtete das Ganze mit sichtlichem Vergnügen, während Fallon tapfer versuchte, seine zuvor verkündete Schärferesistenz nicht innerhalb weniger Sekunden vollständig zusammenbrechen zu lassen. Immerhin wissen wir nun: Jimmy kann scharf essen – zumindest für einen sehr kurzen Zeitraum.
Zum Löschen gibt es Thai-Bier – und damit beginnt das eigentliche Drama
Glücklicherweise hatte Lisa nicht nur feste Nahrung mitgebracht, sondern auch etwas Flüssiges, wobei Wasser offenbar als zu langweilig empfunden wurde. Stattdessen landete thailändisches Bier auf dem Tisch, und spätestens an diesem Punkt dürfte irgendwo in einem thailändischen Fernsehstudio bereits jemand nervös nach der Fernbedienung für die Verpixelungssoftware gesucht haben.Lisa zeigte Fallon außerdem einen Mischdrink aus Bier, Soju und Limonade, den sie nach eigenen Angaben im Internet entdeckt hatte, und erteilte ihrem Gastgeber gleich noch einen kleinen Sprachkurs für den nächsten Thailandurlaub. Jimmy lernte „mot kaew“ – หมดแก้ว, sinngemäß also „Glas leer“, „austrinken“ oder in international verständlicher Kneipensprache schlicht „bottoms up“.
Beide stießen an, Fallon trank und Millionen Zuschauer sahen eine völlig harmlose, gut gelaunte Szene zweier Erwachsener in einer amerikanischen Unterhaltungssendung.
Und damit war das Problem da.
Denn während amerikanische Zuschauer vermutlich darüber nachdachten, ob die Mischung aus Thai-Bier, Soju und Limonade tatsächlich schmecken könnte, stellte sich in Thailand eine erheblich kompliziertere Frage:
Dürfen wir eigentlich zeigen, dass Lisa in Amerika etwas gezeigt hat, das wir in Thailand möglicherweise nicht zeigen dürfen? Ach, man muss Thailand einfach lieben.
Die ganze Welt sieht die Flasche – Thailand greift zum Pixelwerkzeug
Thailand besitzt seit Jahren ziemlich strenge Vorschriften für Werbung und Marketing alkoholischer Getränke, weshalb sichtbare Logos und Markennamen in Fernsehen und anderen Medien schnell zu einer rechtlichen Frage werden können.Deshalb kennt praktisch jeder, der thailändisches Fernsehen schaut, diese herrlichen Szenen, in denen ein Mensch offensichtlich eine Bierflasche in der Hand hält, aber genau dort, wo der Markenname steht, plötzlich eine geheimnisvolle Pixelwolke erscheint, als müsse die Identität des Getränks aus Gründen der nationalen Sicherheit geschützt werden.
Bei Lisa bekam diese Praxis nun eine besonders hübsche internationale Dimension, denn das entsprechende Video lief in den USA, verbreitete sich anschließend über YouTube und soziale Netzwerke rund um den Globus und wurde natürlich auch von thailändischen Medien aufgegriffen, von denen einige sichtbare Produktnamen und Logos vorsichtshalber unkenntlich machten. (thaipbs.or.th)
Das Ergebnis ist beinahe philosophisch: Ein thailändisches Produkt bekommt durch einen thailändischen Weltstar in einer der bekanntesten amerikanischen Fernsehshows kostenlose internationale Aufmerksamkeit, während man in Thailand darüber diskutiert, wie viel davon man den Thais eigentlich zeigen darf.
Die Amerikaner sehen das Bier, die Europäer sehen das Bier, Millionen BLACKPINK-Fans sehen das Bier – und Thailand steht daneben und sagt vorsichtshalber: „Pssst, macht mal das Etikett unscharf.“
Gesundheitsminister gibt Entwarnung: Lisa darf weiterhin nach Hause
Die Debatte nahm schließlich solche Ausmaße an, dass sich sogar Thailands Gesundheitsminister Pattana Promphat dazu äußerte und erst einmal klarstellte, dass Lisa wegen ihres kleinen amerikanischen Trinkgelages keine Begegnung mit der thailändischen Justiz befürchten muss.Die Sendung sei im Ausland produziert und ausgestrahlt worden, außerdem sei Lisas Verhalten als private Handlung zu betrachten und lasse keine eindeutige kommerzielle Absicht erkennen, für ein alkoholisches Produkt zu werben. Vor allem erinnerte der Minister an einen Punkt, der in der Diskussion offenbar beinahe untergegangen war: Thailand verbietet seinen Bürgern nicht, Alkohol zu trinken.
Das Gesetz kontrolliert vielmehr Werbung und Marketing für alkoholische Getränke. Das dürfte Millionen thailändische Biertrinker beruhigt haben, die vermutlich bereits befürchteten, ihr abendliches Chang oder Singha künftig heimlich hinter zugezogenen Vorhängen konsumieren zu müssen.
Lisa darf trinken – aber dürfen wir zeigen, dass Lisa trinken darf?
Ganz erledigt war die Geschichte damit natürlich noch lange nicht, denn die eigentlich interessante Frage betrifft weniger Lisa als diejenigen, die ihr Video anschließend in Thailand teilen.Bei der rechtlichen Bewertung komme es, so die Behörden, auf Inhalt, Kontext und Absicht an. Journalistische Berichterstattung ist etwas anderes als gezielte Verkaufsförderung, und ein beiläufig sichtbares Getränk wiederum etwas anderes als ein Content-Creator, der das Logo möglichst fotogen in die Kamera hält, dazu erklärt, wie fantastisch das Produkt schmeckt, und freundlicherweise gleich noch den Kauflink daruntersetzt.
Das klingt grundsätzlich nachvollziehbar, wird in der realen Welt von TikTok, Facebook, YouTube und Millionen privaten Accounts allerdings schnell kompliziert. Denn die schöne alte Trennung zwischen „Medien“, „Werbung“ und „privater Kommunikation“ stammt aus einer Zeit, in der ein Fernsehprogramm noch aus einem Fernsehsender kam und nicht aus New York innerhalb von Sekunden auf dem Smartphone eines Teenagers in Chiang Mai landete.
Wer Lisas Bier-Soju-Limonaden-Mischung nachmachen und online stellen möchte, muss deshalb möglicherweise nicht nur überlegen, wie viel Soju ins Glas gehört, sondern auch, ob die Bierflasche zufällig mit dem Etikett zur Kamera steht.
Vielleicht sind die Regeln einfach ein bisschen älter als TikTok
Genau deshalb nutzen Politiker und Kritiker den Lisa-Fall inzwischen für eine grundsätzlichere Diskussion darüber, ob Thailands Alkoholregeln mit der heutigen Medienwelt noch problemlos zusammenpassen.Der Abgeordnete Taopiphop Limjittakorn argumentierte, dass die entscheidende Frage nicht sein könne, ob Lisa etwas Verbotenes getan habe, sondern dass endlich verständlicher geregelt werden müsse, was Presse, Unternehmen, Einzelhändler, Influencer und ganz normale Nutzer zeigen und veröffentlichen dürfen. Schließlich entwickelt sich die Medienwelt erheblich schneller als so manches Gesetz, und zwischen klassischer Fernsehwerbung, einem TikTok-Video, journalistischer Berichterstattung und einem privaten Facebook-Post liegen inzwischen Welten, die juristisch trotzdem irgendwo einsortiert werden müssen.
Das Gesundheitsministerium sieht derzeit allerdings keinen unmittelbaren Anlass für eine Gesetzesänderung und verweist darauf, dass bei künftigen Anpassungen der Schutz der öffentlichen Gesundheit ebenso berücksichtigt werden müsse wie Kommunikation, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung. Was ungefähr bedeutet: Wir reden darüber – aber stellt die Flasche bis dahin lieber nicht zu auffällig hin.
Soft Power mit Schaumkrone – aber bitte ohne sichtbares Etikett
Und damit erreicht die Geschichte ihre eigentlich schönste Pointe, denn Thailand investiert seit Jahren beträchtliche Energie darin, seine Soft Power auszubauen und Thai-Küche, Musik, Filme, Muay Thai, Mode und andere kulturelle Exporte international bekannter zu machen.Nun setzt sich mit Lisa eine der berühmtesten Thailänderinnen überhaupt freiwillig in eine amerikanische Primetime-Show, bringt Som Tam mit, spricht über Thailand, lässt einen der bekanntesten US-Moderatoren an einer Thai-Chili farblich in Richtung Warnleuchte wechseln, bringt ihm thailändische Trinkkultur bei und präsentiert nebenbei ein thailändisches Produkt vor einem Millionenpublikum.
Marketingabteilungen würden für eine solche kostenlose internationale Reichweite vermutlich mindestens ihre komplette Jahresplanung und einen mittelgroßen Dienstwagen opfern.
Und was macht Thailand? Thailand diskutiert darüber, ob man die Bilder zu Hause vielleicht besser verpixelt. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. 😂
Amazing Thailand – you can drink it. Just be careful showing it. 🍺 😂
Quellen: TonightShow, Khaosod, Thaiger
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