17.05.2025
Umwelt
Streit um Seilbahn im Naturheiligtum Phu Kradueng
Unter Strom - Seilbahnträume zwischen Tourismus und Naturzerstörung
Der Ursprung des Projekts reicht bis ins Jahr 1982 zurück, als der erste Vorschlag für eine Seilbahn zum Plateau des markanten Phu Kradueng formuliert wurde. In den folgenden Jahrzehnten wurden verschiedene Studien durchgeführt – durch Ministerien, Universitäten und private Firmen. Besonders 2004 und erneut 2012 rückte das Projekt in den Fokus politischer Planungen, jeweils mit Unterstützung damaliger Regierungen.
Doch immer wieder scheiterte die Umsetzung am Widerstand von Umweltschützern und Anwohnern, die eine zunehmende Erschließung und damit einhergehende Schäden am fragilen Ökosystem des Parks befürchteten. Erst im Jahr 2023 erlebte das Projekt unter Premierminister Srettha Thavisin eine politische Wiederbelebung – es wurde in die nationale Tourismusstrategie aufgenommen. 2024, nun unter Premierministerin Paetongtarn Shinawatra, folgte die nächste Finanzspritze zur technischen Ausarbeitung.
Laut dem Generaldirektor der Nationalparkbehörde, Attapol Charoenchansa, sei die Seilbahn weiterhin nicht genehmigt, sondern befinde sich „lediglich im Untersuchungsstadium“. Dennoch ist der Wille zur Umsetzung unübersehbar. Attapol verweist auf die begrenzten Einnahmen des Parks: Im Haushaltsjahr 2024 kamen trotz über 66.000 Besuchern nur rund 13,7 Millionen Baht (etwa 355.000 EUR) an Eintrittsgeldern zusammen. Die Finanzierung der Parkverwaltung überwiegt diesen Betrag bei weitem – was nun offenbar Begehrlichkeiten nach lukrativeren Tourismusformen weckt.
Man prüfe inzwischen „moderne Bauweisen“, um den Flächenverbrauch und die Umweltbelastung zu minimieren. Vorschläge stammen laut Behörde hauptsächlich aus europäischen Ländern wie der Schweiz, Deutschland, Schweden, Norwegen und den Niederlanden. Die geplante Strecke würde maximal drei Kilometer betragen, mit einer Station am Felsen Pha Mak Dook – fernab des heutigen Hauptwanderwegs.
Natur oder Nutzen?
Phu Kradueng ist seit Oktober 2023 offiziell ein Asean Heritage Park – ausgezeichnet wegen seiner charakteristischen Tafelberg-Landschaft und einer Fülle an endemischen Pflanzenarten. Für viele Wanderfreunde gilt der Aufstieg zum Plateau als eine der schönsten Trekkingrouten Thailands. Genau diese 4,4 Kilometer lange Route, die neben sportlicher Herausforderung auch Naturerlebnis pur bietet, könnte durch die Seilbahn vollständig entwertet werden – zumindest in den Augen der Kritiker.Hinzu kommt, dass mit dem Projekt weitreichende infrastrukturelle Maßnahmen geplant sind: neue Straßen, Shuttlesysteme, Besucherzentren, Informationsangebote. Damit soll die Kapazität des Parks für Tagesbesucher massiv erhöht werden – doch das birgt auch Risiken: mehr Müll, mehr Lärm, mehr Wasserverbrauch und steigender Druck auf lokale Ressourcen.
Befürworter des Projekts, vor allem unter den lokalen Anwohnern, hoffen auf ein wirtschaftliches Aufblühen der Region. Mehr Besucher, mehr Umsatz, mehr Jobs – das ist die einfache Rechnung. Doch Umweltschützer warnen: Diese Hoffnung kann trügen. Gerade bei Großprojekten dieser Art bleiben die versprochenen Einnahmen oft in den Händen weniger Investoren oder externer Betreiber. Die Umwelt zahlt – und die Gemeinde geht leer aus.
Selbst wenn die Natur oberflächlich intakt bliebe, sei das ökologische Gleichgewicht empfindlich: Veränderungen in Besucherströmen, Mikroklima oder Wasserhaushalt könnten sich langfristig negativ auswirken. Zudem stellen Kritiker infrage, ob sich die geschätzten Baukosten von einer Milliarde Baht (ca. 26 Millionen EUR) jemals amortisieren – insbesondere bei langen Wartungszyklen und einem begrenzten Besuchervolumen.
Was hier entsteht, ist kein einfacher Seilbahnanschluss für Komfortsuchende, sondern ein Paradebeispiel für den Spagat zwischen Tourismusförderung und Naturschutz. Die eine Seite verspricht Zugänglichkeit, wirtschaftliche Impulse und neue Perspektiven für die Region. Die andere warnt vor der Banalisierung eines Schutzgebiets, vor der Umwandlung eines Naturerlebnisses in eine Eventkulisse. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit längst zur politischen Pflichtformel geworden ist, bleibt die Frage, was diese tatsächlich bedeutet: Mehr Besucher mit weniger Aufwand – oder weniger Eingriff bei höherer Wertschätzung?
Die Seilbahn kommt vielleicht – der Streit bleibt sicher
Ob die Seilbahn am Ende gebaut wird oder nicht: Sie steht sinnbildlich für eine grundlegende Debatte. Wie viel Erschließung verträgt die Natur? Und wie viel Natur braucht der Mensch – jenseits von Renditerechnungen? Wenn aus einer geschützten Berglandschaft ein Tagesausflugsziel mit „Wartezeit unter 3 Minuten“ wird, dann ist es nicht nur die Seilbahn, die hier etwas ins Rollen bringt. Sondern ein System, das Natur in Geld umrechnen will – mit offenem Ausgang.Diese Seite verwendet
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