03.06.2026
Verkehr
Thai Airways schreibt mit erster Pilotin Firmengeschichte
Nach 66 Jahren sitzt erstmals ein weiblicher Flug-Captain im Cockpit
Am 1. Juni 2026 saß Pannathorn als First Officer im Cockpit von Flug TG564 von Bangkok nach Hanoi. Geflogen wurde die Strecke mit einem Airbus A320-200 mit der Registrierung HS-TXS. Damit war sie die erste Frau, die offiziell als Pilotin für Thai Airways auf einem kommerziellen Flug eingesetzt wurde.
Ein spätes, aber immerhin ein Zeichen
Thai Airways nahm den Flugbetrieb am 1. Mai 1960 auf. Seitdem gehört die Airline zu den bekanntesten Marken Thailands – mit violetter Orchidee, königlichem Service-Anspruch und einer langen Geschichte auf internationalen Routen. Aber im Cockpit blieb es über Jahrzehnte offenbar sehr männlich. Sehr, sehr männlich. Man könnte sagen: Die Tür zur Gleichberechtigung war nicht verschlossen – sie hatte nur erstaunlich lange Verspätung.Dass nun erstmals eine Pilotin für Thai Airways fliegt, wirkt deshalb wie ein Symbol. Nicht, weil Frauen erst jetzt fliegen könnten – natürlich nicht. In Thailand gibt es längst Pilotinnen bei anderen Airlines und auch Frauen in militärischen oder spezialisierten Luftfahrtrollen. Aber bei Thai Airways, der nationalen Traditionsairline, ist dieser Schritt eben besonders sichtbar.
Wer ist Pannathorn „Bam“ Tangrungruangchai?
Pannathorn Tangrungruangchai kommt nicht zufällig ins Cockpit. Sie hat eine fachlich solide Ausbildung hinter sich: Sie studierte im Bereich Aeronautical Engineering and Commercial Pilot am King Mongkut’s Institute of Technology Ladkrabang und absolvierte anschließend ihre kommerzielle Pilotenausbildung an der Asia Aviation Academy. Danach sammelte sie mehr als vier Jahre Erfahrung als Airbus-A320-First-Officer bei einer führenden Airline, bevor sie zu Thai Airways kam.Das ist wichtig, denn bei solchen Meldungen wird gern romantisiert: „Die erste Frau im Cockpit!“ Schön und gut – aber entscheidend ist: Sie sitzt dort nicht wegen Symbolpolitik, sondern weil sie qualifiziert ist. Ausbildung, Training, Flugerfahrung, Disziplin, technische Kompetenz und Nervenstärke. Pilotin wird man nicht, weil man einmal als Kind ein Flugzeugfenster mochte. Da steckt viel Arbeit dahinter.
Der erste Flug: Bangkok–Hanoi
Ihr historischer Einsatz fand auf der Strecke Bangkok Suvarnabhumi – Hanoi Noi Bai statt. Für Passagiere war es vermutlich zunächst ein ganz normaler Flug. Boarding, Sicherheitsansage, Start, Reiseflughöhe, Getränkewagen, Landung. Für Thai Airways war es jedoch ein Einschnitt in der eigenen Firmengeschichte.Zur Begrüßung und Gratulation waren auch Führungskräfte der Airline vor Ort, darunter Chuntarica Jotikasthira, Chief Human Resources Officer von Thai Airways, sowie Vertreter des Flugbetriebs. Die Airline stellte den Moment als Zeichen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Entwicklungsmöglichkeiten in der Luftfahrt dar.
Natürlich darf man bei solchen offiziellen Aussagen ein bisschen schmunzeln. Nach 66 Jahren zu sagen, man setze nun auf Diversität, ist ungefähr so, als würde man nach sechs Jahrzehnten zum ersten Mal den Blinker benutzen und stolz erklären, man fördere moderne Verkehrskultur. Aber: besser spät als nie. Und in diesem Fall ist „spät“ immerhin wirklich ein Anfang.
Die Luftfahrt gilt weltweit noch immer als Branche, in der Frauen im Cockpit deutlich unterrepräsentiert sind. Zwar gibt es längst Pilotinnen, Kapitäninnen, Fluglehrerinnen und Luftfahrtexpertinnen, aber der Anteil ist international weiterhin vergleichsweise niedrig. Gerade deshalb haben sichtbare Vorbilder eine große Bedeutung.
Wenn eine junge Frau in Thailand sieht, dass bei Thai Airways nun eine Pilotin im Cockpit sitzt, kann das mehr bewirken als jede Hochglanzbroschüre mit dem Satz „Du kannst alles werden“. Sichtbarkeit zählt. Besonders in Berufen, die lange als Männerdomäne galten.
Pannathorns erster Einsatz ist deshalb nicht nur eine Personalie. Er zeigt: Der Weg ins Cockpit ist auch bei Thailands Nationalairline für Frauen offen. Und hoffentlich bleibt es nicht bei einer historischen Ausnahme, die man später in Firmenchroniken hübsch einrahmt und dann wieder vergisst.
Thai Airways in einer neuen Phase
Der Zeitpunkt ist ebenfalls interessant. Thai Airways befindet sich seit einigen Jahren in einer Phase der Neuausrichtung. Nach finanziellen Problemen, Restrukturierung und Sanierungsmaßnahmen arbeitet die Airline daran, sich wieder stärker aufzustellen. Dazu gehören Flottenplanung, Effizienz, neue Investitionen und ein moderneres Unternehmensbild.In diesem Zusammenhang passt die erste Pilotin natürlich gut ins Bild einer Airline, die zeigen möchte: Wir sind nicht nur Tradition, wir bewegen uns auch. Und das ist für Thai Airways wichtig. Denn moderne Luftfahrt bedeutet nicht nur neue Flugzeuge, bessere Sitze und schönere Lounges. Es bedeutet auch moderne Personalpolitik, faire Chancen und ein Arbeitsumfeld, in dem Talent zählt – nicht Geschlecht.
Ein Vorbild für die nächste Generation
Besonders schön an dieser Geschichte ist die mögliche Wirkung auf junge Menschen. Viele Mädchen und junge Frauen sehen Pilotinnen noch immer viel zu selten. Gerade in Asien, wo berufliche Rollenbilder in manchen Bereichen noch stark traditionell geprägt sein können, sind solche Meilensteine wichtig.Pannathorn „Bam“ Tangrungruangchai steht nun stellvertretend für eine neue Generation thailändischer Luftfahrtprofis. Sie zeigt, dass der Weg vom Studium über die Pilotenausbildung bis ins Cockpit einer großen Airline möglich ist. Nicht einfach, nicht bequem, nicht ohne Konkurrenz – aber möglich.
Und vielleicht sitzt irgendwann ein Mädchen in Thailand im Flugzeug, hört die Stimme einer Pilotin aus dem Cockpit und denkt: „Das könnte ich auch.“ Genau solche Momente verändern langfristig mehr als jede offizielle Rede.
Fazit:
Kurz gesagt: Nach 66 Jahren hat nu auch Thai Airways endlich begriffen, dass Frauen nicht nur Flugtickets ausstellen und einbuchen, oder Getränke durchs Flugzeug schieben, sondern Flugzeuge fliegen können. Willkommen im Jahr 2026 – schön, dass das Cockpit endlich auch bei Thai Airways etwas moderner aussieht.
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