20.01.2026
Umwelt
Thailand auf dem Weg zur Low-Carbon-Ökonomie
Climate Change Bill: Regierung zieht die Klimaschraube an
Der Gesetzesentwurf ist bereits ein gutes Stück durch den politischen Prozess gegangen. Laut dem amtierenden Finanzminister Ekniti Nitithanprapas wurde er im Repräsentantenhaus in zweiter Lesung behandelt, bevor das Parlament im Dezember 2025 aufgelöst wurde. Die Idee ist, das Gesetz nach der Wahl vom 8. Februar weiterzuführen und nach Bildung einer neuen Regierung endgültig zu verabschieden. Allein dieser Fahrplan zeigt: Thailand will das Thema nicht mehr nur als PR-Übung betreiben, sondern als strukturelle Weichenstellung.
Der Kern des Ganzen ist dabei weniger romantisch-ökologisch, sondern sehr nüchtern ökonomisch. Das geplante System soll nämlich den Weg für eine CO₂-Bepreisung ebnen. Damit würde Thailand ein Instrument einführen, das in vielen Ländern längst zum Standard geworden ist: Wer Treibhausgase ausstößt, soll dafür zahlen – entweder über eine direkte Steuer oder über ein Handelssystem, bei dem Emissionsrechte gekauft und verkauft werden. Genau diese Kombination aus möglicher CO₂-Steuer und einem nationalen Emissionshandelssystem ist der Punkt, an dem aus dem Klimagesetz eine wirtschaftspolitische Kampfansage wird.
Ekniti betont, dass CO₂-Preise nicht nur ein Strafmechanismus sein sollen, sondern eine Art Investitionsmagnet. Wenn Emissionen Geld kosten, lohnt es sich plötzlich, Produktionsprozesse effizienter zu machen, Energie sparsamer zu nutzen oder erneuerbare Energien einzusetzen. Gleichzeitig entsteht ein Markt für CO₂-Zertifikate und sogenannte Carbon Credits, also Ausgleichsmechanismen, mit denen Firmen ihre Emissionen kompensieren können. Das klingt technisch, ist aber in Wahrheit extrem politisch, denn es entscheidet künftig darüber, ob ein Unternehmen als „sauber genug“ gilt – und zu welchen Kosten.
Der internationale Hintergrund ist dabei entscheidend. Thailand sieht sich mit einer neuen Handelsrealität konfrontiert, die vor allem von Europa geprägt wird. Mit dem Carbon Border Adjustment Mechanism, kurz CBAM, führt die EU schrittweise ein System ein, das Importe CO₂-seitig nachkorrigiert. Übersetzt heißt das: Produkte, die bei der Herstellung viel CO₂ verursachen, werden an der Grenze teurer gemacht. Für Thailand, das stark von Exporten abhängt, ist das ein ziemlich unfreundlicher Weckruf. Wer weiterhin liefern will, muss sauberer werden – nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern weil die Märkte es erzwingen.
Das Problem ist nur: Dekarbonisierung kostet. Und zwar nicht ein bisschen „wir bauen ein paar Solardächer“, sondern ernsthafte Infrastrukturmaßnahmen. Stromnetze müssen modernisiert, Speicherkapazitäten aufgebaut, neue Energiequellen integriert und Industrieanlagen umgerüstet werden. Genau deshalb denkt die thailändische Regierung über die Gründung eines eigenen Infrastruktur-Fonds nach, der speziell für diese Transformation zuständig sein soll. Als Startkapital sind Mittel von EGAT, also der Electricity Generating Authority of Thailand, sowie von den städtischen und provinziellen Stromversorgern vorgesehen. Ziel ist es, den Energieunternehmen finanzielle Luft zu verschaffen und gleichzeitig zu vermeiden, dass die öffentliche Verschuldung so stark steigt, dass sie auf die Stabilität des Baht zurückschlägt.
Während der Staat also die finanziellen Leitplanken aufstellen will, spielt ausgerechnet ein Unternehmen eine zentrale Rolle, das lange Zeit eher als Teil des Problems galt: PTT, der nationale Öl- und Gaskonzern Thailands. Dessen CEO Kongkrapan Intarajang sagt, PTT habe einen langfristigen Plan zur Emissionssenkung und strebe Netto-Null bis 2050 an. Allein diese Ansage ist politisch heikel und wirtschaftlich brisant, weil PTT zu den größten Emittenten des Landes gehört. Wenn so ein Konzern klimaneutral werden will, klingt das nach Wende – oder nach dem Versuch, sich rechtzeitig ein grünes Schutzschild gegen kommende Regulierungen zuzulegen.
Besonders interessant ist dabei der technische Weg, den PTT einschlägt. Statt allein auf erneuerbare Energien zu setzen, arbeitet das Unternehmen an einem Pilotprojekt zur unterirdischen CO₂-Speicherung. Geplant ist eine Anlage, die rund eine Million Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aufnehmen könnte. Dieses Projekt soll als Blaupause dienen, denn die Regierung verfolgt langfristig ein viel größeres Ziel: Bis 2050 sollen landesweit bis zu 60 Millionen Tonnen CO₂ jährlich gespeichert werden können. Das ist keine kleine Nebenidee, sondern eine Strategie, die Thailand besonders für Branchen attraktiv machen soll, die schwer zu dekarbonisieren sind – etwa Raffinerien, Chemie oder Zement. CCS, also Carbon Capture and Storage, ist in diesem Kontext eine Art Plan B: Man hält die industrielle Basis am Laufen und versucht, die Emissionen nachträglich wegzuschließen.
Damit formt sich ein Bild, das man durchaus als „pragmatisch“ bezeichnen kann. Thailand will sich klimafreundlicher aufstellen, aber möglichst ohne harte Brüche. Das Land setzt auf Marktmechanismen wie CO₂-Preise und Emissionshandel, kombiniert diese mit Investitionsprogrammen und lässt gleichzeitig Technologien zu, die Emissionen nicht unbedingt verhindern, sondern eben „verstecken“. Ob das langfristig reicht, wird sich zeigen. Denn je stärker CO₂ in Zukunft zum echten Kostenfaktor wird, desto weniger funktioniert das alte Spiel mit hübschen Zielzahlen und vagen Versprechen.
Am Ende ist dieses Klimagesetz vor allem eins: ein Signal. Thailand sendet es an Investoren, an Exportmärkte und an die eigenen Industrien. Wer künftig Geld verdienen will, soll entweder emissionsarm produzieren – oder dafür bezahlen. Und wer clever ist, bereitet sich jetzt vor, bevor CO₂ nicht nur ein Umweltproblem ist, sondern ein Preisetikett am Produkt.
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