31.08.2026
Verkehr
Thailand baut seine KfZ-Steuer auf CO2-Ausstoß um
Mehr Nachhaltigkeit für Autos und deren Produktion im Thai-Detroit
Damit verfolgt Bangkok einen bemerkenswert pragmatischen Kurs. Statt ausschließlich reine Elektroautos zu fördern, sollen künftig auch Hersteller von Verbrennern, Hybriden, Plug-in-Hybriden und Range-Extender-Fahrzeugen Chancen auf Vergünstigungen bekommen – sofern ihre Fahrzeuge entsprechend emissionsarm sind und die Unternehmen in Thailand investieren.
CO₂ statt Glaubenskrieg um den Antrieb
Pornchai Thiraveja, Generaldirektor des Excise Department, möchte CO₂ zum zentralen Maßstab der künftigen Steuerpolitik machen: Je niedriger die Emissionen, desto größer könnten die steuerlichen Vorteile ausfallen.Das bedeutet gleichzeitig, dass Thailand seine gewaltige traditionelle Autoindustrie nicht über Nacht aufs Abstellgleis schicken will. Neben batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) sollen deshalb auch HEV, PHEV und EREV Teil des Übergangs sein können.
Dahinter stehen handfeste wirtschaftliche Interessen. Thailand verfügt seit Jahrzehnten über riesige Produktionskapazitäten für konventionelle Fahrzeuge, Motoren, Getriebe und Komponenten. An diesem Netz aus Montagewerken und Tausenden Zulieferbetrieben hängen zahlreiche Arbeitsplätze.
Statt diese Strukturen mit einem radikalen Technologiewechsel zu gefährden, sollen bestehende Hersteller ihr Know-how möglichst schrittweise für neue Antriebssysteme nutzen.
Steuervorteile gegen Investitionen
Dabei geht es längst nicht mehr nur um den CO₂-Ausstoß des einzelnen Autos. Steuerliche Vorteile könnten verstärkt daran gekoppelt werden, ob Hersteller in Thailand produzieren, heimische Komponenten verwenden und ihre Fahrzeuge von dort exportieren.Das Prinzip ist bereits aus den Förderprogrammen EV 3.0 und EV 3.5 bekannt: Hersteller durften zunächst Elektroautos zu günstigen Bedingungen importieren, mussten sich im Gegenzug aber zum Aufbau lokaler Produktion verpflichten.
Diese Strategie zeigt Wirkung. Nach Angaben des Excise Department haben mittlerweile etwa acht bis zehn größere Elektroautohersteller Produktionsstandorte in Thailand aufgebaut, darunter BYD und MG. Rund 170.000 Elektroautos seien inzwischen auf thailändischen Straßen unterwegs.
Die Investitionen in Elektrofahrzeuge und die dazugehörige Zulieferindustrie summieren sich auf rund 140 Milliarden Baht (ca. 3,7 Mrd. EUR). Die potenzielle Produktionskapazität beträgt inzwischen bis zu 380.000 Fahrzeuge pro Jahr, mehr als 25.000 Arbeitsplätze sollen entstanden sein.
Vom „Detroit of Asia“ zum EV-Exportzentrum
Thailand möchte aber nicht einfach ein großer Absatzmarkt für chinesische und andere importierte Elektroautos werden. Das Land will seine traditionelle Rolle als „Detroit of Asia“ auch in der nächsten Fahrzeuggeneration behalten.Dafür verfolgt das Finanzministerium drei zentrale Ziele: Neue Technologien dürfen zunächst importiert und auf dem thailändischen Markt erprobt werden, sollen anschließend aber möglichst zur lokalen Produktion führen. Gleichzeitig soll Thailand zum regionalen Exportzentrum für Elektroautos und andere emissionsarme Fahrzeuge ausgebaut werden. Der dritte Punkt könnte langfristig sogar der wichtigste sein: mehr hochwertige Komponenten aus Thailand.
Bislang besteht ein erheblicher Teil der heimischen Wertschöpfung aus klassischen Zulieferprodukten. Künftig möchte Thailand stärker bei Batterien, Elektromotoren, Invertern, Leistungselektronik, Steuergeräten und anderen Schlüsseltechnologien mitspielen. Es reicht also nicht mehr, ein Auto lediglich in Thailand zusammenzuschrauben. Möglichst viel von dem, was technisch und wirtschaftlich wertvoll ist, soll ebenfalls im Land entstehen.
Auch Batterien kommen auf den Prüfstand
Deshalb überprüft das Excise Department zusätzlich die Besteuerung von Batterien und anderen umweltrelevanten Komponenten. Auch hier soll stärker danach entschieden werden, welchen tatsächlichen Beitrag eine Technologie zur Verringerung von Umweltbelastungen leistet.Pornchais Grundgedanke ist dabei erstaunlich unkompliziert: Was weniger CO₂ und weniger Verschmutzung verursacht, soll stärker unterstützt werden. Das könnte langfristig zu einer technologieoffeneren Steuerstruktur führen, die nicht mehr nur zwischen „Elektroauto“ und „Verbrenner“ unterscheidet.
Die neue CO₂-basierte Steuerstruktur ist allerdings noch nicht endgültig beschlossen. Thailand prüft derzeit die Details, während bestehende Förderprogramme wie EV 3.5 zunächst weiterlaufen. Der politische Kurs ist dennoch klar erkennbar. Die erste Phase bestand darin, Elektroautos auf die thailändischen Straßen zu bringen. Danach sollten internationale Hersteller ihre Fabriken nach Thailand verlagern. Nun folgt der nächste Schritt: mehr lokale Wertschöpfung, mehr Exporte und weniger CO₂.
Für Thailand steht dabei viel auf dem Spiel. Ein zu langsamer Wandel könnte das Land gegenüber neuen chinesischen Produktionszentren zurückwerfen. Ein zu schneller Abschied vom Verbrenner könnte dagegen bestehende Fabriken, Zulieferer und Arbeitsplätze gefährden.
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