07.07.2026
Wetter
Thailand bereitet sich auf extreme Hitze und Dürre vor
Droht Südostasien ein Super-El Niño?
Für ihre Untersuchung mit dem Titel „A Globally Comparable Framework for Heat Risk Assessment in Cities“ analysierten Wissenschaftler der Universität Oxford zahlreiche Großstädte rund um den Globus. Das Ergebnis fällt für Südostasien alarmierend aus. Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam belegt weltweit den ersten Platz beim Hitzerisiko, dicht gefolgt von Bangkok und der unmittelbar angrenzenden Industrieregion Samut Prakan. Die Forscher betonen allerdings, dass nicht allein die gemessenen Temperaturen ausschlaggebend sind. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die den menschlichen Körper enorm belasten.
Gerade Bangkok kennt dieses Phänomen nur allzu gut. Während der heißen Jahreszeit steigen die Temperaturen regelmäßig deutlich über 35 Grad Celsius. Gleichzeitig liegt die Luftfeuchtigkeit oft bei über 70 oder sogar 80 Prozent. Dadurch kann der Körper seine natürliche Kühlung durch Schwitzen nur noch eingeschränkt nutzen. Selbst gesunde Menschen geraten dadurch bei körperlicher Anstrengung schnell an ihre Belastungsgrenze. Hinzu kommt der sogenannte Wärmeinsel-Effekt. Asphalt, Beton, Glasfassaden und dicht bebaute Stadtviertel speichern tagsüber enorme Mengen Wärme und geben diese nachts nur sehr langsam wieder ab. Während ländliche Regionen nach Sonnenuntergang spürbar abkühlen, bleiben Großstädte wie Bangkok oft bis tief in die Nacht hinein unangenehm heiß.
Besonders betroffen sind Menschen, die ihren Arbeitsplatz nicht in klimatisierten Büros haben. Bauarbeiter, Straßenverkäufer, Lieferfahrer, Reinigungskräfte oder Verkehrspolizisten verbringen oft viele Stunden täglich unter freiem Himmel und sind den extremen Bedingungen nahezu schutzlos ausgesetzt. Gleichzeitig wächst Bangkok seit Jahren immer weiter. Neue Wohnanlagen, Industriegebiete und Verkehrsflächen verdrängen Grünflächen, die früher für natürliche Abkühlung sorgten. Mit jeder zusätzlichen versiegelten Fläche steigt die Wärmebelastung weiter an.
Zusätzlich sorgt das Klimaphänomen El Niño regelmäßig für Veränderungen der Wetterverhältnisse. Etwa alle zwei bis sieben Jahre erwärmt sich die Wasseroberfläche im zentralen und östlichen Pazifik ungewöhnlich stark. Diese Temperaturveränderungen beeinflussen die Luftströmungen rund um den Globus und verändern Niederschlagsmuster auf mehreren Kontinenten. Für Thailand und große Teile Südostasiens bedeutet El Niño meist deutlich weniger Regen, längere Trockenperioden und steigende Temperaturen. Flüsse und Stauseen führen weniger Wasser, die Landwirtschaft leidet unter Wassermangel und das Risiko großflächiger Wald- und Buschbrände nimmt erheblich zu.
Besonders aufmerksam verfolgen Wissenschaftler derzeit die Entwicklung der Meerestemperaturen im Pazifik. Mehrere Klimamodelle registrieren ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen, die sich unter bestimmten Voraussetzungen zu einem sogenannten Super-El-Niño entwickeln könnten. Solche besonders starken Ereignisse treten nur selten auf, können aber außergewöhnlich weitreichende Auswirkungen haben. Für Thailand, Vietnam, Indonesien und Papua-Neuguinea würde dies wahrscheinlich eine monatelange Trockenperiode bedeuten. Gleichzeitig könnten Wasserreserven knapp werden, Ernteerträge sinken und Lebensmittelpreise steigen. Auch die Energieversorgung könnte unter Druck geraten, da Wasserkraftwerke weniger Strom erzeugen und gleichzeitig der Stromverbrauch durch Klimaanlagen deutlich zunimmt.
Thailand bereitet sich deshalb bereits auf mögliche Engpässe vor. Die Wasserbehörden überprüfen Speicherreservoirs, entwickeln Strategien für ein effizienteres Wassermanagement und planen langfristig, um ausreichend Reserven für Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie vorzuhalten. Nach aktuellen Prognosen könnten die Auswirkungen eines starken El Niño sogar bis weit in das Jahr 2027 hineinreichen.
Nicht nur die Bevölkerung, sondern auch der Tourismus könnte die Folgen deutlich spüren. Längere Hitzeperioden erschweren Aktivitäten im Freien, Nationalparks könnten unter Wasserknappheit leiden und in einigen Regionen könnte die Wasserversorgung zeitweise eingeschränkt werden. Gleichzeitig steigt während langer Trockenphasen die Gefahr von Waldbränden erheblich. Besonders Nordthailand kennt dieses Problem bereits aus den vergangenen Jahren, wenn Rauch und Feinstaub die Luftqualität erheblich verschlechtern.
Auch unter Wasser drohen erhebliche Schäden. Steigende Meerestemperaturen erhöhen das Risiko von Korallenbleichen. Dabei verlieren Korallen ihre lebenswichtigen Algen und damit auch ihre Farben. Hält die Wärme über längere Zeit an, können ganze Riffe dauerhaft geschädigt oder zerstört werden. Für Thailand, dessen Korallenriffe zu den wichtigsten Naturattraktionen des Landes zählen, wäre dies nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem.
Während Südostasien vor allem mit Dürre und Hitze rechnen muss, erwarten Klimamodelle für andere Regionen der Erde genau das Gegenteil. In Teilen Südamerikas steigt die Wahrscheinlichkeit für außergewöhnlich starke Regenfälle und Überschwemmungen. Gleichzeitig könnten sich über dem Pazifik häufiger besonders intensive Taifune bilden. El Niño zeigt damit eindrucksvoll, wie eng das weltweite Klimasystem miteinander verknüpft ist und welche Auswirkungen Veränderungen der Meerestemperaturen auf nahezu alle Kontinente haben können.
Mehrere Klimaforscher halten es inzwischen sogar für möglich, dass ein besonders starker El Niño die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich anhebt und dadurch das Jahr 2027 zum heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen machen könnte. Gleichzeitig weisen sie jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sich El Niño noch unterschiedlich entwickeln kann und entsprechende Prognosen immer mit Unsicherheiten verbunden sind. Fest steht allerdings schon heute, dass extreme Wetterereignisse weltweit häufiger auftreten und viele Länder ihre Strategien für Wasserwirtschaft, Hitzeschutz und Katastrophenvorsorge weiter ausbauen müssen. Thailand hat damit bereits begonnen und versucht, sich möglichst frühzeitig auf die Herausforderungen vorzubereiten, die ein möglicher Super-El-Niño mit sich bringen könnte.
Quellen: TheNation, BBC, BangkokPost
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