07.11.2025
Wetter
Thailand bereitet sich auf landesweite Überschwemmungen vor
Unwetter- und Hochwasserwarnungen für Bangkok und 65 Provinzen
In den letzten Tagen hat intensiver Regen im Norden die Wasserstände des Ping-Flusses deutlich ansteigen lassen. Der Pegel steigt teilweise so schnell, dass Rückhaltebecken und Staudämme stärker entlastet werden müssen, um ein Überlaufen zu verhindern. Dies hat direkte Auswirkungen auf das mächtigste Flusssystem des Landes – den Chao-Phraya, der sich durch das zentrale Tiefland bis hinein in die Hauptstadt Bangkok zieht.
Entscheidend ist die Stauanlage bei Chai Nat, die wie ein Kontrollventil über die Wasserströme in Richtung Zentralregion wacht. Um die Wassermassen nicht unkontrolliert aufzustauen, wurde die Durchflussmenge dort erhöht. Doch jede Erhöhung bringt weiter südlich höhere Pegelstände mit sich. Besonders tiefliegende Gemeinden entlang des Flusses, die über keinen ausgeprägten Hochwasserschutz verfügen, müssen in den kommenden Tagen mit steigenden Wasserständen rechnen.
Schon jetzt wird geschätzt, dass der Chao-Phraya in manchen Bereichen um bis zu fast einen Meter anschwellen könnte. Das erinnert viele Menschen an die Flutkatastrophe von 2011, die weite Teile Zentralthailands unter Wasser setzte und Millionen Menschen betraf.
Während im Nordosten also Starkregen erwartet wird, zeichnet sich in der Metropolregion Bangkok eine andere Art Gefahr ab: weniger kurze, heftige Regenfälle, sondern das langsame, stetige Ansteigen der Flusspegel. Wenn die Flussdeiche und Pumpensysteme an ihre Grenzen kommen, drohen besonders jene Wohnviertel überschwemmt zu werden, die zwischen Fluss, Kanälen und alten Schwemmlandflächen liegen – Orte, an denen Wasser eigentlich schon immer hingehörte, bevor Städte und Straßen gebaut wurden.
Auch die Küstenregionen sind alarmiert. Entlang der Andamansee verschärft ein kräftiger Südwestmonsun die Lage. In Phuket, Krabi und den angrenzenden Provinzen wurden bereits erste Straßenzüge überflutet. Die Wellen erreichen bis drei Meter, und in Gewitterzonen sogar noch mehr. Die örtlichen Behörden raten dringend davon ab, mit kleinen Booten zur See zu fahren. Fischer, Fährbetreiber und Touristenboote sollen im Hafen bleiben – eine Vorsichtsmaßnahme, die hier niemand übertrieben findet. Die Erinnerungen an plötzlich aufziehende Sturmfronten sind frisch genug.
Währenddessen laufen die Vorbereitungen auf dem Land vielerorts routiniert ab. Familien bringen Elektrogeräte in höhere Stockwerke, Bauern sichern ihre Erntesäcke und Tierfreigehege, Tempel und Schulen bereiten Notunterkünfte vor. In manchen Regionen gehört die jährliche Flut fast zum Lebensrhythmus. Doch diesmal ist die Lage weniger vorhersehbar, weil Starkregen, Flusswasser und Sturmsee gleichzeitig zusammenwirken.
Der Meteorologische Dienst ruft die Bevölkerung auf, engmaschig Wetter- und Wasserstandsmeldungen zu verfolgen. Dies ist keine formale Warnung, wie sie in der Regenzeit häufig ausgesprochen wird. Die kommenden Tage werden darüber entscheiden, wie viel Wasser Thailand aufnehmen kann – und wie viel es zurück in die Straßen drängt.
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