Thailand & Cannabis - Nächste Runde im großen Regelungs-Karussell - Reisenews Thailand
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23.06.2026

Cannabis  

Thailand & Cannabis - Nächste Runde im großen Regelungs-Karussell

Cannabis-Shops zwischen Kundenservice und Behörden-Marathon

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Wer in Thailand in den vergangenen vier Jahren versucht hat, die Cannabis-Gesetzgebung zu verstehen, dürfte inzwischen ähnlich verwirrt sein wie ein Tourist, der in Bangkok ohne Google Maps eine bestimmte Soi sucht. Kaum hatte Thailand 2022 als erstes Land Asiens Cannabis weitgehend entkriminalisiert, schossen landesweit Cannabis-Shops wie Pilze nach einem Monsunregen aus dem Boden.

Über Nacht entstanden Cannabis-Shops an jeder Ecke, Cafés verkauften Hanfprodukte, Touristen staunten nicht schlecht und Investoren sahen bereits das nächste Milliarden-Geschäft. - man redet vor bis zu 50.000 Hemp Stores, Lieferdiensten und mobilen Shops. Heute gibt es immer noch tausende Verkaufsstellen, Cannabis-Cafés, Hanf-Produkte und eine ganze Industrie rund um die einst verbotene Pflanze.

Doch während die Branche noch damit beschäftigt war, neue Läden zu eröffnen, begann die Politik bereits damit, auf die Bremse zu treten. Seitdem gleicht die Cannabispolitik einem Pingpong-Spiel zwischen Freigabe, Einschränkung, Kontrolle und neuen Ankündigungen. Wer gestern noch glaubte zu wissen, was erlaubt ist, konnte heute schon wieder falsch liegen.

Mehr als 1.200 Kontrollen in wenigen Wochen

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Jetzt haben die Behörden erneut eine Schippe draufgelegt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden in den vergangenen Wochen landesweit mehr als 1.247 Cannabis-Betriebe kontrolliert. Dabei kam es zu Festnahmen, Lizenzsperren und Beschlagnahmungen. Die offizielle Botschaft ist klar: Cannabis soll in Thailand ausschließlich medizinischen und gesundheitlichen Zwecken dienen. Von einem frei verfügbaren Freizeitmarkt möchte die Regierung inzwischen möglichst wenig wissen.

Allein zwischen Mai und Mitte Juni gingen dutzende Beschwerden über die staatliche Beschwerdeplattform ein. Parallel dazu kontrollierten Beamte zahlreiche Geschäfte in Bangkok und anderen Provinzen. Sogar ein Fall mit rund 1,25 Kilogramm Cannabis, das angeblich für den Versand nach Großbritannien vorbereitet wurde, landete auf dem Schreibtisch der Kontrolleure.

Willkommen im Formular-Dschungel

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Während Kunden meist nur das Endprodukt sehen, kämpfen die Betreiber inzwischen mit einer immer länger werdenden Liste von Vorschriften. Es reicht längst nicht mehr, einfach Cannabis zu verkaufen. Betreiber müssen Herkunft, Lagerbestand, Verkäufe, Verarbeitungsschritte und zahlreiche weitere Details dokumentieren. Dafür existieren inzwischen verschiedene Pflichtformulare, die regelmäßig eingereicht werden müssen.


Man könnte fast meinen, dass der Besitz der Pflanze inzwischen weniger kompliziert ist als das Ausfüllen der dazugehörigen Formulare.

Der Verkauf wird immer stärker eingeschränkt

Gleichzeitig verschärft Thailand die Regeln für den Verkauf weiter. Cannabis darf nicht an Minderjährige, Schüler, Schwangere oder stillende Mütter abgegeben werden.
Darüber hinaus drohen harte Strafen für Unternehmen, die:

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Besonders bemerkenswert: Für jeden legalen Verkauf soll künftig ein ärztliches Rezept vorliegen. Eine Regelung, die bei vielen Betreibern für Kopfschütteln sorgt.

Vom Cannabis-Paradies zur Cannabis-Bürokratie?

Als Thailand 2022 Cannabis entkriminalisierte, sprachen viele internationale Medien vom "Cannabis-Paradies Asiens". Heute wirkt es eher so, als befinde sich das Land auf der Suche nach dem kompliziertesten Mittelweg der Welt.

Die Regierung möchte die wirtschaftlichen Vorteile der Branche behalten, gleichzeitig aber den Freizeitkonsum eindämmen. Das Ergebnis sind immer neue Vorschriften, Kontrollen und Anpassungen. Für Unternehmer bedeutet das Unsicherheit. Für Touristen Verwirrung. Und für die Beamten vermutlich jede Menge Überstunden.

Die einzige Konstante: Es wird sich wieder ändern

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Thailand versucht weiterhin, seine Cannabispolitik neu auszurichten. Gesundheitsverbände fordern strengere Regeln, Teile der Politik wünschen sich noch schärfere Kontrollen, während Betreiber auf mehr Planungssicherheit hoffen.

Was am Ende tatsächlich beschlossen wird, weiß derzeit vermutlich niemand so genau. Die Erfahrung der letzten Jahre legt allerdings nahe, dass die aktuelle Regelung wahrscheinlich nicht die letzte sein wird. Oder anders gesagt: Wer heute einen Cannabis-Shop eröffnet, sollte neben dem Geschäftsplan vielleicht vorsichtshalber auch schon Platz für den nächsten Gesetzestext im Regal freihalten.


Kommentar der Red.:

Besonders bemerkenswert ist die berühmte Rezeptpflicht. In der Theorie sollte sie den Konsum streng auf medizinische Zwecke beschränken. In der Praxis entstanden plötzlich erstaunlich viele „medizinische Experten“, deren Diagnosefähigkeiten offenbar bereits beim Betreten eines Cannabis-Shops einsetzen. Wer Rückenschmerzen, Schlafprobleme, Stress, Fernweh oder schlechte Laune hatte, verließ manche Läden wenige Minuten später mit einer Therapieempfehlung und den passenden Produkten gleich dazu.

Es ist schwer zu begreifen, dass auch zigtausende Touristen in Thailand von schweren Krankheiten erfasst werden, und sich dann in die Hanf-Apotheke schleppen müssen, um Heilung zu erfahren. Noch sonderbarer ist, dass trotz der immer wiederkehrenden Erkrankungen, diese Touristen dennoch nach Thailand zurückkehren.

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Fast noch unterhaltsamer ist die thailändische Tradition, groß angelegte Kontrollen vorher anzukündigen. Das erinnert ein wenig an einen Lehrer, der eine Woche vorher verrät, wann die Klassenarbeit geschrieben wird und welche Fragen drankommen. Da bleibt ausreichend Zeit, die Ordner zu sortieren, Formulare nachzutragen, Lizenzen abzustauben und den Lagerbestand plötzlich in bemerkenswerter Perfektion erscheinen zu lassen. Anschließend sind bei der Kontrolle alle zufrieden, die Beamten finden Unterlagen, die Betreiber präsentieren Unterlagen und die Presse erhält Fotos von Unterlagen.
Was will man mehr? Kraeng Jai ist ein ja zentrales thailändisches Kulturkonzept.

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Die eigentlichen Verlierer scheinen einmal mehr die kleinen Bauern zu sein. Viele hatten gehofft, sich mit einigen legal angebauten Pflanzen ein zusätzliches Einkommen aufzubauen. Doch während große Unternehmen eigene Juristen, Buchhalter und Compliance-Abteilungen beschäftigen können, kämpft der Kleinbauer inzwischen mit Formularen, Berichten, Nachweisen, Genehmigungen und neuen Vorschriften. Am Ende bleibt oft der Eindruck, dass weniger die Pflanze reguliert wird als die Konkurrenz.

So entwickelt sich die einst gefeierte Cannabis-Freigabe langsam zu einem vertrauten Muster: Erst profitieren viele, dann kommen die Vorschriften, dann die Formulare, dann die Kontrollen – und irgendwann bleibt vom großen Freiheitsversprechen vor allem ein Geschäft übrig, das sich die großen Player leisten können. Thailand wäre schließlich nicht Thailand, wenn aus einer simplen Pflanze nicht irgendwann ein ausgewachsenes Bürokratieprojekt werden würde.
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