10.09.2025
Politik
Thailand Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra in Haft
Politisches Spektakel vor Bangkoks Gefängnissen
Der Schritt folgte auf eine einstimmige Entscheidung des Obersten Gerichtshofes. Dessen Strafkammer für Amtsdelikte befand, dass Thaksins fast einjähriger Aufenthalt im Police General Hospital unrechtmäßig gewesen sei. Der Ex-Premier war im August 2023, kurz nach seiner Rückkehr nach Thailand, ins Krankenhaus verlegt worden – offiziell aus gesundheitlichen Gründen.
Das Gericht stellte jedoch klar: Thaksin sei nicht lebensbedrohlich erkrankt gewesen. Statt einer Notaufnahme auf der Intensivstation sei er direkt in ein komfortables Einzelzimmer im 14. Stock gebracht worden. Medizinische Gutachter betonten, seine Leiden – darunter ein „Schnappfinger“ und eine Schulterverletzung – hätten problemlos im Gefängniskrankenhaus behandelt werden können. Aufwändige Operationen am Herzen oder an der Halswirbelsäule habe er selbst abgelehnt. Damit habe er seine Genesung bewusst hinausgezögert und die Rückkehr in die Haft umgangen.
Nach seiner Rückkehr aus dem Exil im August 2023 hatte Thaksin ursprünglich acht Jahre Gefängnis vor sich – verteilt auf drei Verfahren wegen Korruption, Interessenkonflikten und Machtmissbrauchs. Doch bereits Ende August 2023 gewährte König Maha Vajiralongkorn ihm eine königliche Begnadigung, wodurch die Strafe auf ein Jahr reduziert wurde.
Die wichtigsten Fälle:
- Sonderlotterie-Projekt: 2 Jahre Haft wegen Missbrauchs von Regierungsgeldern.
- Myanmar-Kredit: 3 Jahre Haft für einen 4-Milliarden-Baht-Kredit zu Dumpingzinsen, der seinen Geschäftsinteressen zugutekam.
- Shin-Corp-Aktien: 5 Jahre Haft wegen unerlaubter Nutzung von Strohmännern, um Firmenanteile trotz Interessenkonflikten zu halten.
Da sich Teile der Strafen überschnitten, blieben acht Jahre übrig – bis zur Begnadigung durch den König.
Besonderes Augenmerk liegt nun auch auf dem Verhältnis zu seiner Tochter Paetongtarn Shinawatra, die erst vor kurzem aus ihrem Amt als Premierministerin entlassen wurde. Beobachter sind sich einig, dass Thaksin trotz offizieller Distanzierung nie aufgehört hat, im Hintergrund politischen Einfluss auszuüben. Seine Rückkehr nach Thailand 2023 wurde von vielen als geschickter Schachzug gewertet, um die Machtbasis seiner Familie zu sichern und Paetongtarns Aufstieg zu flankieren.
Kritiker werfen ihm vor, er nutze familiäre Bande, um die Politik indirekt zu lenken – und selbst aus der Ferne bleibe er ein „unsichtbarer Strippenzieher“. Damit ist klar: Thaksins Inhaftierung beendet keineswegs seinen Einfluss auf die thailändische Politik, sondern verschiebt ihn lediglich zurück in die Sphäre informeller Macht.
Die Überstellung Thaksins wurde von hunderten Unterstützern, Journalisten und Schaulustigen vor dem Bangkok Remand Prison verfolgt. Viele seiner treuen Anhänger, die sogenannten „Rothemden“, hofften auf einen kurzen Blick auf den einst mächtigen Politiker.
Besuche durch Angehörige, darunter seine Töchter Paetongtarn und Pintongta, waren jedoch nicht möglich. Die Gefängnisleitung hatte den Besucherverkehr sowie Rechtskonsultationen und andere Dienstleistungen am 8. und 9. September aus „Renovierungsgründen“ ausgesetzt – ein Schritt, den Kritiker als bewusste Maßnahme interpretierten, um Tumulte zu vermeiden.
Mit der Haft von Thaksin Shinawatra – Premierminister von 2001 bis 2006 und politisch bis heute prägend – schreibt Thailand Geschichte. Noch nie zuvor war ein ehemaliger Regierungschef im Königreich tatsächlich inhaftiert worden.
Während seine Gegner Genugtuung über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes empfinden, sehen Anhänger darin ein politisch motiviertes Schauspiel. Klar ist: Die kommenden zwölf Monate, die Thaksin nun in Klong Prem verbringen soll, markieren einen weiteren dramatischen Höhepunkt in Thailands oft turbulenter Politgeschichte.
Quellen: NBT, NNT, The Nation
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