16.09.2025
Verkehr
Thailand hebt Fluggastrechte an - ein bisschen
Höhere Entschädigung bei Flugverspätungen und –ausfällen
Höhere Entschädigungen für Inlandsflüge
- Verspätungen von mehr als fünf Stunden: Bisher erhielten Betroffene lediglich 600 Baht. Künftig steht ihnen 1.200 Baht zu (rund 30 Euro).
- Flugausfälle (Annullierungen): Die Kompensation steigt von 1.200 auf 1.500 Baht (ca. 38 Euro).
Die Entschädigung kann dabei nicht nur in bar ausgezahlt werden, sondern auch in Form von Reisegutscheinen, Bonusmeilen oder Gutschriften.
Jedoch nicht jeder Flugausfall oder jede Verspätung löst automatisch eine Entschädigungspflicht aus. Airlines sind von Zahlungen befreit, wenn es sich um unvorhersehbare, unvermeidbare Ereignisse handelt, die auch mit angemessenen Vorsorgemaßnahmen nicht hätten verhindert werden können. Dazu zählen z. B. Naturkatastrophen, extreme Wetterlagen oder Sicherheitsbedrohungen.
Warten im Flieger „Tarmac Delays“
Besonders hervorgehoben wird in der Neuregelung die Behandlung sogenannter Tarmac Delays, also Situationen, in denen Passagiere im Flugzeug sitzen, ohne dass es tatsächlich startet:- Airlines müssen für angemessene Belüftung, Temperaturkontrolle und Zugang zu Toiletten sorgen.
- Dauert die Verzögerung mehr als drei Stunden, ohne dass ein Abflugzeitpunkt feststeht, müssen die Fluggäste das Flugzeug verlassen dürfen - es sei denn, dies wäre aus Sicherheits- oder luftverkehrstechnischen Gründen unmöglich.
Neue Sicherheitsvorgaben bei Handgepäck
Bereits zuvor, zum 22. April 2025, hat die thailändische Civil Aviation Authority of Thailand (CAAT) neue Sicherheitsbestimmungen erlassen:- Flüssigkeiten, Gele und Sprays dürfen im Handgepäck nur noch in Behältern bis maximal 100 ml transportiert werden.
- Alle Produkte müssen beim Sicherheitscheck gesondert kontrolliert werden.
- Größere Behälter werden konfisziert.
Damit passt sich Thailand den bereits seit Jahren geltenden internationalen Standards an, wie sie u. a. an europäischen Flughäfen üblich sind.
Vergleich: Fluggastrechte in der EU
Ein Blick nach Europa zeigt, dass Thailand zwar Fortschritte macht, aber im internationalen Vergleich noch hinterherhinkt:- EU-Verordnung 261/2004: In der EU haben Passagiere bei Annullierungen oder langen Verspätungen Anspruch auf 250 bis 600 Euro, abhängig von der Flugstrecke.
- Entschädigungsgrenze in der EU:
o Kurzstrecke (bis 1.500 km): 250 €
o Mittelstrecke (bis 3.500 km): 400 €
o Langstrecke (über 3.500 km): 600 € - Anspruch besteht zusätzlich zu Betreuungsleistungen wie Mahlzeiten, Hotelunterbringung oder Umbuchungen.
- Auch bei Tarmac Delays gelten in Europa klare Fristen, innerhalb derer Passagiere versorgt oder ausgelassen werden müssen.
Im Vergleich dazu wirken die thailändischen Summen von 1.200–1.500 Baht (30–38 Euro) eher symbolisch – sie sollen Airlines zwar stärker in die Pflicht nehmen, haben aber bei weitem nicht die finanzielle Schlagkraft europäischer Regelungen.
Mit der neuen Regulation No. 101 setzt Thailand einen wichtigen Schritt in Richtung besserer Fluggastrechte. Höhere Entschädigungen, klare Regeln für Tarmac-Delays und verschärfte Sicherheitsstandards bringen mehr Transparenz und Schutz für Reisende. Dennoch zeigt der Vergleich mit der EU, dass die thailändischen Zahlungen im internationalen Maßstab eher mickrig ausfallen. Für Touristen wie Einheimische ist die Neuregelung dennoch ein Gewinn – sie signalisiert, dass sich auch Thailand ein wenig mehr an internationalen Passagierrechten orientiert.
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