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27.09.2026

Wetter  

Thailand kämpft mit den Wassermassen - von Bangkok bis in den Süden

Bangkok und andere Gemeinden zu Katastrophengebieten erklärt

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Thailand kämpft mit den Wassermassen - von Bangkok bis in den Süden - Bangkok und andere Gemeinden zu Katastrophengebieten erklärt Symbolfoto 3
Überflutete Straßen, übeflutete Häuser, steigende Flüsse und Hochwasserwarnungen.
Wer in Thailand in diesen Tagen morgens aus dem Fenster schaut, sollte sich nicht wundern, wenn der Weg zum 7-Eleven plötzlich gewisse Ähnlichkeiten mit einem Nebenarm des Chao Phraya aufweist. Was vor wenigen Tagen noch nach den üblichen lokalen Monsunproblemen aussah, hat sich inzwischen zu einer landesweiten Wetterlage mit Überschwemmungen und Hochwassergefahr in zahlreichen Provinzen entwickelt.

Besonders spektakulär sind die Bilder aus Bangkok und Pattaya, aber in Ayutthaya steht das Wasser teilweise mehr als zwei Meter hoch. Ostthailand bleibt unter Hochwasserbeobachtung, im Norden drohen Sturzfluten und Erdrutsche und im Süden haben mehrere Provinzen bereits Überschwemmungen hinter sich.

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Der thailändische Wetterdienst TMD hatte für den Zeitraum vom 23. bis 27. September immer wieder vor kräftigen bis sehr kräftigen Regenfällen gewarnt. Am Samstag folgte bereits Warnung Nummer 12. Verantwortlich sind ein Tiefdruckgebiet beziehungsweise eine ausgeprägte Tiefdruckrinne über Thailand und der kräftige Südwestmonsun. Die Folge: Viel Wasser von oben – und in Zentralthailand zunehmend auch viel Wasser, das aus dem Norden nachkommt.

Bangkok: Alle 50 Bezirke zu Katastrophengebieten erklärt

Am Samstag wurde es dann auch offiziell ziemlich ungemütlich: Alle 50 Bezirke Bangkoks wurden zu Katastrophengebieten erklärt. Vorausgegangen waren fast 48 Stunden mit teilweise heftigem Regen und zahlreichen überfluteten Straßen. Besonders der Osten der Hauptstadt wurde schwer getroffen.

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Das klingt zunächst nach Weltuntergang, bedeutet aber nicht, dass jetzt ganz Bangkok mit dem Longtailboot befahren werden muss. Die Einstufung ist vor allem ein verwaltungstechnisches Instrument. Sie ermöglicht den Behörden, schneller Personal, Pumpen, Hilfsgüter und zusätzliche Mittel einzusetzen.

Trotzdem ist die Lage ernst. Das Department of Disaster Prevention and Mitigation verschickte am Samstagmorgen sogar eine Cell-Broadcast-Warnung an Mobiltelefone in Bangkok, nachdem Wasserstände in mehreren Kanälen kritische Werte erreicht hatten und weiter stiegen. Bewohner tiefer gelegener Gebiete und Häuser an Kanälen wurden aufgefordert, Wertsachen vorsorglich nach oben zu bringen und vor Fahrten die Straßenlage zu überprüfen.

Für Besucher bedeutet das momentan vor allem: Bangkok funktioniert weiterhin, aber einzelne Straßen können nach heftigen Schauern innerhalb kürzester Zeit volllaufen. Aus einer gemütlichen 20-Minuten-Taxifahrt kann dann durchaus ein ausführlicher Stadtrundgang im klimatisierten Toyota werden, von wo aus man hunderte überflutete Autos, weggespülte Mopeds, aber auch liegengebliebende Busse beobachten kann.

Ayutthaya: Hier kommt das Wasser gleich aus mehreren Richtungen

Noch problematischer ist die Situation in Teilen von Ayutthaya. Hier geht es längst nicht mehr nur um einen heftigen Regenschauer, nach dem das Wasser ein paar Stunden auf der Straße steht.

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Im Bezirk Bang Ban stieg das Hochwasser nach vier Tagen kontinuierlich steigender Pegel auf mehr als einen Meter. Häuser wurden überflutet, Bewohner mussten wieder auf Boote umsteigen und Hab und Gut in höhere Stockwerke bringen, wenn denn vorhanden.

Das Wasser kommt dabei gleich doppelt: von oben durch den starken Regen und von Norden über das Chao-Phraya-System.

Das Royal Irrigation Department hatte bereits zuvor angekündigt, die Abflussmenge am Chao-Phraya-Staudamm in Chai Nat zu erhöhen. Grund dafür sind große Wassermengen, die aus Nordthailand in das Flusssystem gelangen. Für Gebiete unterhalb des Damms wurden dadurch steigende Pegel erwartet; besonders gefährdet sind niedrig gelegene Bereiche außerhalb der Hochwasserschutzdeiche in Ayutthaya.

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Bewohner von Bang Ban kritisieren, das Wasser sei teilweise so schnell gestiegen, dass kaum Zeit geblieben sei, Möbel und andere Gegenstände in Sicherheit zu bringen.

Eine wichtige Einschränkung gibt es allerdings: Die großen Industriegebiete Ayutthayas sind nach dem jüngsten Bericht nicht überflutet. Nakhon Luang, Bang Pa-in und Ban Wa befanden sich am 25. September noch auf normaler Alarmstufe. Wegen der Wetterlage werden die Industrieparks jedoch rund um die Uhr überwacht und Pumpanlagen laufen vorsorglich.

Die Erinnerungen an 2011 sitzen schließlich noch ziemlich tief.

Pattaya: Eine Stunde Regen und plötzlich war die Straße weg

Pattaya hatte bereits einige Tage vorher eindrucksvoll demonstriert, wie schnell aus einer Straße ein Schwimmbecken werden kann.

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Nach extrem kräftigem Regen standen zahlreiche Straßen und Wohngebiete unter Wasser. Stellenweise erreichte das Wasser mehr als einen Meter Höhe, Fahrzeuge blieben liegen und Bewohner mussten sich durch die braunen Wassermassen kämpfen. Besonders betroffen waren bekannte Bereiche rund um Third Road, Khao Noi, Khao Talo, Sukhumvit Road, South Pattaya, Central Pattaya, Beach Road und Soi Buakhao.

Auch das benachbarte Si Racha erwischte es schwer. Mehr als 200 Haushalte mussten zeitweise evakuiert werden, wichtige Straßen standen unter Wasser und auch die Highway 331 war betroffen.

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Damit war die Sache allerdings nicht erledigt. Das Office of the National Water Resources setzte gleich acht Provinzen Ostthailands unter besondere Hochwasserbeobachtung: Sa Kaeo, Prachin Buri, Nakhon Nayok, Chachoengsao, Chonburi, Rayong, Chanthaburi und Trat. In Sa Kaeo wurden zuletzt 211 Millimeter Niederschlag registriert. Der Osten gehört damit momentan zu den Regionen, die man besonders im Auge behalten sollte.

Nordthailand: Weniger spektakuläre Bilder, aber weiterhin Gefahr

Aus Chiang Mai oder Chiang Rai gibt es momentan keine mit Bangkok oder Pattaya vergleichbare flächendeckende Hochwasserlage. Das bedeutet allerdings nicht, dass Nordthailand aus dem Schneider wäre.

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Starke Niederschläge haben die Böden in vielen Gebieten gesättigt, während große Wassermengen über Flüsse Richtung Zentralthailand abfließen. Besonders in bergigen Regionen können kräftige Gewitter deshalb sehr schnell Sturzfluten, Hangrutsche und sogenannte Forest Run-offs auslösen.

Genau diese Situationen sind tückisch: Im Hotel kann noch gemütlich der Regen aufs Dach prasseln, während einige Kilometer weiter ein kleiner Bach innerhalb kurzer Zeit zum reißenden Fluss wird. Der TMD warnt deshalb besonders Bewohner und Reisende in Hanglagen, an Wasserläufen und in niedrig gelegenen Gebieten.

Und der Süden? Auch dort steht das Wasser nicht still

Wer nun dachte, wenigstens im Süden könne man sich entspannt unter die Palme legen, sollte vorsichtshalber noch einmal die Wetter-App öffnen. Bereits in den Tagen vor der aktuellen Verschärfung wurden Überschwemmungen aus Surat Thani und Chumphon sowie von der Andamanenküste gemeldet. Betroffen waren dort unter anderem Ranong, Phang Nga, Krabi und Satun. In Ranong kam es zudem zu einem Erdrutsch.

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Teilweise fielen enorme Regenmengen. In Khuan Kalong in der Provinz Satun wurden am 19. September innerhalb des Messzeitraums satte 464,6 Millimeter registriert.

Auch Phuket und Phang Nga gehörten während der aktuellen Wetterphase zu den Gebieten, in denen lokal heftige Niederschläge möglich waren. Für Urlauber in Phuket, Khao Lak oder Krabi bedeutet das keineswegs automatisch Dauerregen – tropische Niederschläge können extrem lokal auftreten. Zehn Kilometer können darüber entscheiden, ob man gerade im Pool liegt oder überlegt, ob der Mietroller schwimmfähig ist.

Auf dem Meer wird es ebenfalls ungemütlich

Nicht nur an Land macht der Monsun derzeit Überstunden.

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Im oberen Golf von Thailand und im nördlichen Teil der Andamanensee wurden Wellen von zwei bis drei Metern erwartet. Während Gewittern können sie sogar über drei Meter erreichen. Kleine Boote sollten in den besonders betroffenen Seegebieten bis einschließlich 27. September an Land bleiben, größere Schiffe Gewitterzellen meiden.

Wer in diesen Tagen eine Speedboat-Tour, einen Inseltransfer oder eine Fährfahrt geplant hat, sollte deshalb unbedingt kurz vor der Abfahrt prüfen, ob tatsächlich gefahren wird. Ein bereits bezahltes Ticket besitzt leider keinerlei wellenberuhigende Wirkung.

Kommt jetzt die nächste Jahrhundertflut?

Bei Bildern von überschwemmten Straßen in Bangkok und steigenden Pegeln am Chao Phraya dauert es in sozialen Netzwerken naturgemäß ungefähr elf Minuten, bis jemand „2011!“ ruft. Damals erlebte Thailand eine der schlimmsten Flutkatastrophen seiner jüngeren Geschichte. Große Teile Zentralthailands standen monatelang unter Wasser, Industriegebiete wurden überflutet und auch Bangkok war bedroht.

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Nach Einschätzung zweier von The Nation befragter thailändischer Wasser- und Klimaexperten ist eine Wiederholung dieses Ausmaßes derzeit jedoch äußerst unwahrscheinlich. Die aktuelle Situation unterscheidet sich unter anderem bei den gespeicherten Wassermengen in den großen Stauseen und den hydrologischen Rahmenbedingungen deutlich von 2011. Das heißt allerdings nicht, dass die gegenwärtigen Überschwemmungen harmlos wären.

Für jemanden, dessen Wohnzimmer in Bang Ban einen Meter unter Wasser steht, ist die Information, dass es sich nicht um eine nationale Jahrhundertkatastrophe handelt, vermutlich nur begrenzt tröstlich.

Für Touristen ist Aufmerksamkeit ist angesagt

Für Reisende ist deshalb etwas Einordnung wichtig. Thailand ist nicht flächendeckend überflutet. Viele Urlaubsregionen funktionieren ganz normal und selbst in Bangkok können zwei Stadtteile gleichzeitig völlig unterschiedliche Situationen erleben.

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Problematisch sind momentan vor allem niedrig gelegene Straßen und Wohngebiete, Flussufer, Bereiche außerhalb von Hochwasserdeichen sowie bergige Regionen mit Sturzflut- und Erdrutschgefahr. Im Osten bleibt die Situation besonders aufmerksam zu beobachten, während entlang des Chao Phraya zusätzlich die aus dem Norden kommenden Wassermassen eine Rolle spielen.

Der Höhepunkt der aktuellen Starkregenphase sollte nach den bisherigen Prognosen mit dem 27. September allmählich auslaufen. Danach kann es selbstverständlich weiterhin regnen – schließlich ist in weiten Teilen des Landes noch Monsunzeit –, doch die großräumige Wetterlage soll sich zunächst etwas entspannen.

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Bis dahin gilt die in Thailand während der Regenzeit ohnehin bewährte Grundregel: Bei braunem Wasser auf der Straße nicht ausprobieren, wie tief es wirklich ist. Schon gar nicht mit dem Mietroller.

Denn der Vermieter wird sich über die wissenschaftliche Erkenntnis, dass sein Honda Click offenbar doch kein Amphibienfahrzeug ist, vermutlich deutlich weniger freuen als ihr. 😎🌧️🌊


Stand: 27. September 2026 - 01:30 Uhr

Quellen: Thai Meteorological Department (TMD), Royal Irrigation Department (RID), Bangkok Metropolitan Administration/DDPM, Office of the National Water Resources, Bangkok Post, The Nation.
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