01.04.2026
Thailand setzt auf radikale Reform des Alkoholverkaufs
Bangkok plant Alkoholverbot im Zwei-Tage-System
In einem Interview mit dem Magazin „The Nation“ erklärten der Minister für Transport und Verkehr, Chatchat Sitthiphan, sowie der Minister für Soziale Entwicklung, Santi Prompat, dass bisherige Maßnahmen, insbesondere die Lockerung der Verkaufszeiten, nicht den gewünschten Effekt erzielt hätten. Eine grundlegende Neuausrichtung der Alkoholpolitik sei daher notwendig.
Grundlage der geplanten Regelung ist eine gemeinsame Studie der Mahidol Universität in Bangkok sowie der John Cleese Universität in Birmingham. Demnach steht bei rund 70 Prozent aller Verkehrsunfälle in Thailand mindestens einer der Beteiligten unter Alkoholeinfluss. Durch ein Verkaufs- und Konsumverbot an ungeraden Tagen soll der Alkoholkonsum systematisch reduziert und die Zahl der Unfälle signifikant gesenkt werden.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums würde die Maßnahme zu einer deutlichen Entlastung führen. Die Zahl der Unfälle an ungeraden Tagen könnte um bis zu 70 Prozent sinken, wodurch sich insgesamt eine Reduktion der Schäden im Straßenverkehr um rund 35 Prozent ergeben würde.
Die wirtschaftlichen Folgen von Verkehrsunfällen belaufen sich derzeit auf etwa 121 Milliarden Baht, was rund 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Durch die geplanten Maßnahmen könnten diese Schäden um etwa 43 Milliarden Baht reduziert werden, so Sitthiphan.
Vertreter der thailändischen Brauindustrie äußerten Bedenken hinsichtlich möglicher Umsatzeinbußen. Der Minister für Soziale Entwicklung zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sich der Konsum lediglich auf die erlaubten Tage verlagern werde und keine wesentlichen wirtschaftlichen Nachteile entstehen. Zudem verwies er auf die kürzlich gesenkte Alkoholsteuer, die bereits zu einer Belebung des Absatzes geführt habe.
Der Gesetzentwurf soll am 19. April im Parlament eingebracht werden. Eine Verabschiedung und Umsetzung der neuen Regelung wird bis Ende Mai angestrebt. Warum das Verbot an ungeraden und nicht an geraden Kalendertagen durchgesetzt werden soll, wurde nicht übermittelt
Kommentar der Red.:
Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht!Aus Sicht der Tourismusbranche wirkt der geplante Vorstoß wie eine Regulierung, die an der Praxis vorbeigeht. Thailand lebt stark vom internationalen Tourismus – und dieser umfasst neben Kultur und Natur auch Gastronomie, Nachtleben und ein Gefühl von Freiheit.
Ein Alkoholverbot an jedem zweiten Tag würde genau diesen Bereich spürbar einschränken. Für Reisende entsteht ein schwer nachvollziehbares System, das die Planbarkeit ihres Aufenthalts beeinträchtigt. Hotels, Restaurants und Bars müssten ihr Angebot anpassen, was insbesondere im gehobenen Segment zu Wettbewerbsnachteilen gegenüber anderen Destinationen führen kann.
Auch wirtschaftlich erscheint die Annahme fraglich, dass sich Konsum einfach verlagert. Touristische Nachfrage ist spontan – was heute nicht konsumiert wird, fehlt oft komplett. Gerade kleinere Betriebe wären davon betroffen. Zudem sendet die Regelung ein widersprüchliches Signal. Thailand gilt als unkompliziertes Reiseziel. Eine solche Maßnahme könnte dieses Image beschädigen und Verunsicherung bei Gästen erzeugen.
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