24.07.2026
Politik
Thailand und seine geheimen Passfarben
Warum du den roten wohl niemals bekommen wirst
Thailand wäre allerdings nicht Thailand, wenn es ausgerechnet bei Reisepässen nicht ein kleines bisschen spannender zuginge.
Denn dort gibt es nicht einfach den thailändischen Reisepass. Nein, gleich fünf verschiedene Farben stehen zur Auswahl – wobei „Auswahl“ vielleicht etwas übertrieben ist. Die wenigsten Thailänder dürfen sich ihre Lieblingsfarbe nämlich aussuchen. Während Otto Normalbürger mit einem braunen Pass um die Welt reist, gibt es blaue, grüne, weiße und sogar knallrote Exemplare, die jeweils ganz besondere Aufgaben erfüllen.
Braun – der Klassiker für ganz normale Sterbliche
Beginnen wir mit dem braunen Pass. Den besitzen fast alle Thailänder. Er ist der zuverlässige Alltagsheld unter den Reisedokumenten und begleitet Millionen Menschen auf ihren Reisen rund um den Globus. Egal ob Urlaub in Europa, ein Studienaufenthalt in Australien, ein Arbeitsvertrag in Japan oder der Familienbesuch im Ausland – der braune Pass ist für nahezu alle privaten und beruflichen Reisen gedacht. Je nach Beantragung ist er fünf oder zehn Jahre gültig und damit der Standardpass schlechthin.Kurz gesagt: Der Economy-Class-Pass unter den Reisepässen. Vielleicht nicht besonders glamourös, aber zuverlässig, unkompliziert und für fast jeden Zweck geeignet. Wer ihn besitzt, gehört zur großen Mehrheit der thailändischen Reisenden – und braucht in der Regel auch keinen anderen.
Blau – Arbeiten statt Urlaub
Der blaue Pass ist dagegen eher etwas für Menschen, die beim Reisen tatsächlich arbeiten müssen.Er wird ausschließlich an Beamte, Regierungsmitarbeiter und andere Staatsbedienstete ausgegeben, wenn sie Thailand offiziell im Ausland vertreten oder dienstliche Aufgaben wahrnehmen. Der Pass signalisiert den Behörden anderer Länder also: Hier reist jemand im Auftrag des thailändischen Staates.
Wer nun glaubt, man könne nach einer Konferenz in Genf oder einem Treffen in Tokio einfach noch eine Woche Strandurlaub anhängen, liegt allerdings daneben. Für private Reisen darf dieser Pass grundsätzlich nicht verwendet werden. Er besitzt zudem eine maximale Gültigkeit von fünf Jahren und ist streng an die jeweilige dienstliche Funktion gebunden.
Quasi der Reisepass mit eingebautem Dienstreiseantrag – inklusive der unausgesprochenen Botschaft: "Erst die Arbeit, dann vielleicht irgendwann der Urlaub."
Grün – Der Spezialist
Jetzt wird es richtig interessant.Der grüne Pass ist so etwas wie das Schweizer Taschenmesser unter den thailändischen Reisepässen. Er kommt immer dann zum Einsatz, wenn außergewöhnliche Umstände besondere Lösungen erfordern.
Zum einen erhalten ihn Menschen, die sich im Ausland befinden und ihren normalen Reisepass verloren haben oder kurzfristig Ersatz benötigen. Gleichzeitig wird derselbe Pass auch buddhistischen Mönchen ausgestellt, wenn sie ins Ausland reisen, sowie muslimischen Thailändern, die zur Hadsch-Pilgerfahrt nach Mekka aufbrechen.
Eine ungewöhnliche Kombination? Auf jeden Fall. Vermutlich gibt es weltweit kaum einen Reisepass, der sowohl für spirituelle Pilgerreisen als auch für den klassischen Fall "Mist... mein Rucksack samt Pass wurde geklaut!" verwendet wird.
Weiß – Bitte nur nach Hause
Der weiße Pass verfolgt genau ein einziges Ziel. Nach Hause.Er wird ausschließlich dann ausgestellt, wenn sich ein thailändischer Staatsbürger bereits im Ausland befindet und der normale Reisepass verloren gegangen, gestohlen worden oder abgelaufen ist. Mit diesem Dokument können keine ausgedehnten Weltreisen unternommen werden – es dient lediglich dazu, die Rückkehr nach Thailand zu ermöglichen.
Die Gültigkeit ist deshalb auch deutlich kürzer und beträgt meist nur sechs Monate bis maximal ein Jahr.
Man könnte sagen: Der weiße Pass ist die offizielle Version von "Ich verspreche, ich möchte wirklich nur noch heim." Kein Luxus, keine Extras, kein Bonusprogramm – einfach nur das Ticket zurück nach Hause.
Rot – Der VIP unter den Reisepässen
Und schließlich gibt es noch den roten Pass – den absoluten Superstar unter den thailändischen Reisedokumenten.Diesen erhält allerdings weder der erfolgreiche Unternehmer noch der Vielflieger mit einer Million Bonusmeilen. Selbst beste Beziehungen helfen hier kaum weiter. Der rote Pass bleibt Diplomaten, Botschaftern sowie hochrangigen Vertretern des thailändischen Staates vorbehalten, die das Königreich offiziell im Ausland repräsentieren.
Je nach Position genießen die Inhaber sogar diplomatische Vorrechte und Immunitäten, die auf internationalen Abkommen beruhen. Entsprechend selten bekommt man einen solchen Pass überhaupt zu Gesicht.
Für normale Urlauber bleibt der rote Pass deshalb ungefähr so realistisch wie ein kostenloses Upgrade in die First Class auf jedem Flug – ein netter Traum, aber eben genau das: ein Traum.
Gefängnisgrau
Die sechste Farbe? Lieber nicht... Eigentlich gibt es sogar noch eine inoffizielle Passfarbe. Denn wer einen gefälschten Pass herstellt, verkauft oder benutzt, lernt die thailändische Justiz schneller kennen als jede Sehenswürdigkeit.Schon das Fälschen oder Benutzen eines falschen Passes kann mit ein bis zehn Jahren Gefängnis und Geldstrafen bis 200.000 Baht geahndet werden. Wer gefälschte Pässe verkauft oder organisiert, riskiert sogar drei bis zwanzig Jahre Haft sowie Geldstrafen bis 400.000 Baht.
Obendrauf drohen Verstöße gegen das Einwanderungsrecht und im schlimmsten Fall internationale Sperrlisten. Anders gesagt: Die nächste Auslandsreise findet dann höchstens noch im Fernsehen statt. Dass das keineswegs nur Theorie ist, zeigen immer wieder größere Razzien gegen internationale Dokumentenfälscher, unter anderem auch am Flughafen Suvarnabhumi.
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