12.06.2026
Sport
Thailand zeigt die Fußball-WM doch noch live
WM-Rechte kurz vor Anpfiff: JAS erlöst Thailands Fußballfans
Die Jasmine International Public Company Limited, kurz JAS, hat gemeinsam mit Mono Next die thailändischen Übertragungsrechte erworben. Die Einigung wurde erst unmittelbar vor dem Turnierstart bekannt gegeben. Thailand hat damit auf den letzten Metern verhindert, als einziges Land Südostasiens ohne bestätigte WM-Übertragung dazustehen. Oder anders gesagt: Während die Nachbarländer längst Programmpläne machten, suchte Thailand noch zwischen Sofakissen und Ministeriumsschubladen nach dem passenden Rechtepaket.
Alle 104 Spiele auf Monomax
Die Fußball-WM 2026 ist mit 48 Mannschaften und insgesamt 104 Begegnungen die größte Weltmeisterschaft der Geschichte. Wer in Thailand wirklich jedes Spiel sehen möchte, soll dazu Zugang über den Streamingdienst Monomax erhalten.Dort werden laut Ankündigung sämtliche 104 Partien live angeboten. Zusätzlich sollen Wiederholungen, Höhepunkte und begleitende Inhalte verfügbar sein. Für den vollständigen Zugriff wird das Paket Monomax Sports Premium angeboten, das mit 5.999 Baht zu Buche schlägt. Ratenzahlung soll ebenfalls möglich sein.
Das sind umgerechnet grob 155 Euro. Kein Betrag, bei dem der durchschnittliche Fußballfan spontan die Nationalhymne anstimmt – aber immerhin deutlich günstiger als ein Flug nach Nordamerika samt Stadionticket, Hotel und emotionalem Zusammenbruch am Flughafen.
Mehr als 40 Spiele kostenlos im Fernsehen
Nicht alle Fans müssen jedoch ein kostenpflichtiges Streamingpaket buchen. Mehr als 40 ausgewählte Begegnungen sollen frei empfangbar gezeigt werden. Dazu zählen nach Angaben der Rechteinhaber auch das Eröffnungsspiel und das Finale.Welche weiteren Partien kostenlos laufen und über welche genauen Kanäle sie ausgestrahlt werden, soll im Rahmen des endgültigen Sendeplans bekannt gegeben werden. Klar ist aber: Wer nur die wichtigsten Spiele, große Fußballnationen und die entscheidenden Runden sehen möchte, dürfte zumindest teilweise ohne zusätzliches Abo auskommen.
Damit versucht JAS offenbar, zwei Bälle gleichzeitig im Spiel zu halten: möglichst viele Menschen kostenlos erreichen und trotzdem zahlende Kunden für Monomax gewinnen. Im Fußball nennt man das vermutlich Doppelpass, in der Medienbranche heißt es Geschäftsmodell.
Ein Rechtepaket für 2026 und 2030
JAS hat nicht nur die Rechte für die aktuelle Weltmeisterschaft erworben. Das Geschäft umfasst auch die WM 2030 sowie weitere FIFA-Wettbewerbe. Das Gesamtpaket soll rund 70 Millionen US-Dollar, also etwa 2,3 Milliarden Baht, wert sein.Damit geht es längst nicht nur darum, Thailand kurzfristig vor einem schwarzen Bildschirm zu bewahren. JAS und Mono Next wollen sich offenbar langfristig als große Adresse für Sportübertragungen etablieren. Unter dem Motto „The Home of FIFA in Thailand“ soll rund um Fußball und Streaming ein größeres Sport- und Unterhaltungsangebot aufgebaut werden.
Das Unternehmen besitzt bereits wichtige Sportrechte, darunter englischen Premier-League-Fußball. Die Weltmeisterschaft ist nun das besonders glänzende Stück im Schaufenster – und ein ziemlich wirkungsvoller Lockstoff für neue Abonnenten.
Wochenlanges Pokern um den Preis
Noch wenige Wochen vor dem Anpfiff sah die Situation deutlich schlechter aus. Für Thailand wurde zunächst ein Preis von mehr als 1,3 Milliarden Baht allein für die WM 2026 genannt. Zeitweise war sogar von bis zu 1,7 Milliarden Baht die Rede.Die thailändische Regierung hielt diese Summen für schwer zu rechtfertigen. Besonders pikant war der Vergleich mit Vietnam, das die Rechte laut Berichten für umgerechnet rund 487 Millionen Baht erhalten haben soll. JAS verlangte deshalb von der FIFA einen deutlich günstigeren Preis und erklärte zwischenzeitlich sogar, notfalls ganz auszusteigen.
Das war verständlich. Kein vernünftiges Unternehmen kauft begeistert ein Rechtepaket, bei dem die Verluste gleich kostenlos mitgeliefert werden.
Hinzu kommt, dass viele Spiele wegen der Austragungsorte in den USA, Kanada und Mexiko zu wenig attraktiven Zeiten für das thailändische Publikum stattfinden. Zahlreiche Begegnungen laufen mitten in der Nacht oder am frühen Morgen. Für überzeugte Fans kein Hindernis – die kennen Kaffee, Augenringe und kreative Krankmeldungen. Für Werbekunden und Fernsehsender ist ein Spiel um vier Uhr morgens aber nicht automatisch der große Goldesel.
Thailand war plötzlich letzter in Südostasien
Der Druck auf die Verhandler stieg zusätzlich, weil nach und nach alle anderen Länder Südostasiens ihre Übertragungsrechte sicherten. Selbst kleinere Märkte wie Laos, Brunei und Timor-Leste hatten bereits Partner gefunden, während Thailand weiter verhandelte.Am 10. Juni galt das Land noch als letzter unversorgter Markt der Region. Einen Tag später war die Einigung da. Schneller kann sich eine Lage kaum ändern, außer vielleicht ein Trainer wird nach drei verlorenen Spielen entlassen.
Dass Thailand die Sache so knapp entschied, erinnert stark an das Rechte-Chaos vor der WM 2022. Auch damals wurde bis kurz vor Turnierbeginn über Kosten, Finanzierung und Verteilung gestritten. Offenbar gehört das inzwischen zur nationalen WM-Tradition: Andere Länder nominieren ihre Mannschaften, Thailand nominiert erst einmal eine Krisensitzung.
Gute Nachricht mit kleinem Haken
Für die Fans ist die Einigung trotzdem eindeutig eine gute Nachricht. Es gibt eine legale und technisch klar benannte Möglichkeit, alle Spiele zu sehen. Gleichzeitig bleibt ein größerer Teil des Turniers kostenlos zugänglich.Der Haken ist, dass für die vollständige WM ein kostenpflichtiges Paket nötig ist. Die Zeiten, in denen automatisch jedes Spiel frei empfangbar übertragen werden musste, sind vorbei. Die Weltmeisterschaft steht in Thailand nicht mehr auf der sogenannten Must-Have-Liste der NBTC. Ein privater Anbieter kann die Rechte daher mit einem Bezahlmodell verbinden.
Ob 5.999 Baht für das gesamte Paket akzeptiert werden, wird sich zeigen. Viele Fans dürften rechnen, wie viele Spiele sie tatsächlich nachts verfolgen möchten und ob der Fußballgenuss diesen Preis wert ist. Andere werden wahrscheinlich behaupten, sie wollten ohnehin nur das Finale sehen – und drei Tage später völlig übermüdet jedes Gruppenspiel verfolgt haben.
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