07.09.2025
Wirtschaft
Thailands Duty-Free-Gigant in der Krise
King Power kämpft ums Überleben - Umsatzloch im Milliardenbereich
Wenn der wichtigste Kunde fehlt
Über Jahre waren chinesische Touristen das Rückgrat von King Powers Erfolg. Rund 70 Prozent der Kundschaft stammten aus China – eine goldene Quelle für Umsatz und Wachstum. Doch diese Quelle versiegt. Zwischen Januar und Mai 2025 kamen nur noch 1,95 Millionen chinesische Touristen nach Thailand – ein Rückgang um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr.Die Gründe sind vielfältig: geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit in China und veränderte Konsumgewohnheiten. Für King Power bedeutet das: Die zahlungskräftigste Kundengruppe bleibt aus – und ohne diese Käuferschicht sind die großen Innenstadt-Duty-Free-Stores kaum noch rentabel.Die Folgen sind bereits sichtbar: Die Filialen in Samut Prakan (Srivaree), Pattaya und im Mahanakhon Tower in Bangkok sind geschlossen, weitere werden folgen.
Teure Läden, neue Reisetrends
Die Kostenexplosion verschärft das Problem. Hochwertige Verkaufsflächen in Touristenzentren verschlingen Millionen – ohne die passenden Umsätze lohnt sich der Aufwand nicht mehr. Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten von Reisenden.Früher galt der Besuch im Duty-Free-Shop als Pflichttermin am Flughafen. Heute weichen viele Kunden auf E-Commerce-Angebote aus, vergleichen Preise online oder kaufen Luxusgüter direkt in den Herkunftsländern. Das klassische Duty-Free-Erlebnis verliert an Reiz. Für King Power, dessen Modell jahrzehntelang auf Laufkundschaft in Flughäfen und Innenstadt-Stores gesetzt hat, ist das ein Schlag ins Herz.
Flughafen-Geschäft unter Druck
Noch dramatischer wirkt die Entwicklung im Kerngeschäft: den Airports. Im Mai 2025 bat King Power überraschend um die Auflösung von Verträgen mit Airports of Thailand (AOT) – und das gleich an den wichtigsten Standorten: Suvarnabhumi, Don Mueang, Phuket, Chiang Mai und Hat Yai.Die Begründung: sinkende Ausgaben der Touristen, Steuererleichterungen der Regierung auf Wein, die Abschaffung des Duty-Free für ankommende Passagiere – und die immer noch schleppende Erholung nach der Corona-Pandemie. An der Börse löste die Nachricht Schockwellen aus, die AOT-Aktie fiel deutlich.Allerdings gibt es Spielraum: King-Power-Chef Nitinai Sirismatthakarn, früher selbst Präsident der AOT, könnte in Hintergrundgesprächen auf mildere Konditionen hoffen.
Trotz aller Turbulenzen hält King Power offiziell an seinem Kerngeschäft fest: Duty-Free soll das Herz des Konzerns bleiben. Doch hinter den Kulissen wird fieberhaft an einem Plan B gearbeitet. Ein umfassend überarbeitetes Geschäftsmodell soll innerhalb der nächsten vier bis fünf Monate vorgestellt werden. Ob das reicht, um den Trend umzukehren, bleibt offen.
Sirismatthakarn kündigte an, neue Geschäftsfelder in sogenannten „captive markets“ zu prüfen – Märkte, in denen Kunden auf bestimmte Anbieter angewiesen sind, etwa an Häfen, in Resorts oder in Freizeiteinrichtungen. Auch neue Dienstleistungen, Partnerschaften und Expansionen außerhalb des klassischen Duty-Free-Retails stehen zur Debatte.
König ohne Krone?
King Power war lange Symbol für Thailands Tourismusboom – ein Unternehmen, das nicht nur Läden betrieb, sondern das Bild des Landes bei Reisenden prägte. Heute wirkt der Konzern angeschlagen, sein Nimbus ist stark beschädigt.Die kommenden Monate entscheiden, ob King Power sich neu erfindet oder von der Konkurrenz überholt wird. Sicher ist: Die Zeiten des mühelosen Wachstums sind vorbei.Die Frage lautet nun: Bleibt King Power der „König des Duty Free“ – oder wird das Unternehmen selbst zur Erinnerung an eine goldene Tourismus-Ära?
Quellen: TTW, KhaoSod Thai
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