05.01.2026
Verkehr
Thailands erster Hochgeschwindigkeitszug verzögert sich
UNESCO stoppt bei Ayutthaya - Projekt auf 2030 verschoben
Verantwortlich dafür sind altbekannte Problemzonen: Landenteignungen, Vertragsfragen und infrastrukturelle Überschneidungen – also genau jene Themen, an denen Großprojekte weltweit zuverlässig aus dem Takt geraten.
Planung trifft Realität
Die erste Projektphase umfasst eine Strecke von exakt 250,77 Kilometern. Sie ist technisch anspruchsvoll und führt über Hochtrassen, ebenerdige Abschnitte sowie durch Tunnelanlagen in bergigem Gelände, etwa bei Muak Lek und Lam Takhong. Trotz dieser Komplexität meldete die State Railway of Thailand (SRT) im November 2025 einen Baufortschritt von rund 50 Prozent. Ein Wert, der auf dem Papier solide wirkt – wäre da nicht die unschöne Tatsache, dass zwei zentrale Bauabschnitte praktisch stillstehen.Besonders problematisch ist der Abschnitt Bang Sue–Don Mueang (Vertrag 4-1). Hier überschneidet sich die Hochgeschwindigkeitsstrecke mit dem Drei-Flughäfen-Projekt, das die Airports Don Mueang, Suvarnabhumi und U-Tapao verbinden soll. Beide Projekte teilen sich bauliche Strukturen, was in der Theorie effizient klingt – in der Praxis aber zu jahrelangen Vertragsverhandlungen führte. Der zuständige Konzessionär Asia Era One, geführt von der CP Group, fordert seit 2018 eine Neuverhandlung der Verträge. Eine Einigung? Bis heute Fehlanzeige. Die SRT wartet inzwischen auf eine politische Grundsatzentscheidung der Regierung, ob sie diesen Abschnitt notfalls eigenständig realisieren soll. Ein klassischer Fall von „wer darf, wer zahlt und wer haftet“.
UNESCO sagt Nein: Stillstand bei Ayutthaya
Ein weiteres Sorgenkind ist der Abschnitt nahe dem Bahnhof Ayutthaya. Kaum hat der geplante Hochgeschwindigkeitszug den Großraum Bangkok hinter sich gelassen, stößt er bereits auf eines der sensibelsten und politisch heikelsten Nadelöhre der gesamten Strecke: den Bereich rund um den Bahnhof Ayutthaya, offiziell als Vertrag 4-5 geführt. Dieser Abschnitt gilt innerhalb der State Railway of Thailand inzwischen als Paradebeispiel dafür, wie historische Verantwortung, internationale Verpflichtungen und moderne Verkehrsinfrastruktur frontal aufeinanderprallen können.Das Kernproblem liegt in der unmittelbaren Nähe zum Ayutthaya Historical Park, einem der bedeutendsten Kulturdenkmäler Südostasiens. Die ehemalige Königsstadt Ayutthaya war über Jahrhunderte politisches, wirtschaftliches und religiöses Zentrum des siamesischen Reiches – und steht heute unter strengem Schutz der UNESCO. Jede bauliche Veränderung im Umfeld wird daher nicht nur national, sondern auch international mit Argusaugen beobachtet.
Für die Hochgeschwindigkeitsstrecke bedeutet das: Standardlösungen sind tabu. Trassenführung, Pfeilerhöhen, Brückenkonstruktionen, Lärmschutz, Erschütterungswerte und sogar Sichtachsen müssen so gestaltet werden, dass weder das historische Stadtbild noch archäologische Strukturen beeinträchtigt werden. Selbst temporäre Bauwerke und Zufahrtsstraßen unterliegen Sonderauflagen. Die Folge ist ein langwieriger Abstimmungsprozess zwischen Ingenieuren, Denkmalschützern, UNESCO-Gremien und thailändischen Behörden – ein bürokratisches Minenfeld mit internationaler Sprengkraft.
Solange kein genehmigungsfähiges Gesamtdesign vorliegt, bleibt die Baustelle faktisch eingefroren. Der offizielle Baufortschritt liegt deshalb bei exakt null Prozent – ein bemerkenswerter Wert für ein Projekt, das andernorts bereits mit Volldampf vorangetrieben wird. Hinter den Kulissen wächst der Druck: Jede Fehlentscheidung könnte nicht nur weitere Verzögerungen nach sich ziehen, sondern im schlimmsten Fall den UNESCO-Welterbestatus gefährden – ein politisches Desaster, das sich keine Regierung leisten will.
Verzögerung als Chance?
Trotz aller Rückschläge gibt sich die SRT demonstrativ optimistisch. Die zweite Projektphase von Nakhon Ratchasima bis Nong Khai soll sogar schneller umgesetzt werden als ursprünglich kalkuliert. Der Grund: Die 357 Kilometer lange Strecke verläuft überwiegend durch flaches Terrain, was Bau und Planung deutlich vereinfacht. Zudem – so die Hoffnung – habe man aus den Fehlern der ersten Phase gelernt.Diese zweite Phase wurde bereits im Februar des Vorjahres vom Kabinett genehmigt. Der Baubeginn ist für Mitte 2026 angesetzt, die Inbetriebnahme für 2032 geplant. Optimisten nennen das realistisch, Skeptiker nennen es mutig.
Das gesamte Projekt geht auf die enge thailändisch-chinesische Zusammenarbeit während der Amtszeit von Prayut Chan-o-cha zurück. Nach bilateralen Gesprächen mit Xi Jinping Ende 2014 wurde ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das den Grundstein für das Vorhaben legte. Der Hochgeschwindigkeitszug ist damit nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern auch Teil einer größeren regionalen Vernetzungsstrategie im südostasiatischen Raum.
Wenn die Strecke Bangkok–Nong Khai eines Tages vollständig in Betrieb ist, soll sie die Reisezeiten zwischen der Hauptstadt und dem Nordosten massiv verkürzen und Thailand verkehrstechnisch neu positionieren. Bis dahin jedoch zeigt das Projekt eindrucksvoll, dass „High Speed“ auf dem Papier nicht automatisch schnelle Umsetzung bedeutet. Thailand baut an der Zukunft – aber eben im eigenen, sehr gemächlichen Tempo.
Quellen: Nation, Thaiger, NNT
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