Thailands erstes Geburtenkontrollprogramm für Wildelefanten - Reisenews Thailand
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29.01.2026

Wissenschaft  

Thailands erstes Geburtenkontrollprogramm für Wildelefanten

Zwischen Dorfstraße und Dschungel: Elefantenverhütung soll Leben retten

Thailands erstes Geburtenkontrollprogramm für Wildelefanten - Reisenews Thailand - Symbolfoto 1

Thailand hat Ende Januar ein neues Kapitel in seiner Wildtierpolitik aufgeschlagen: Zum ersten Mal wurde bei frei lebenden Elefanten ein staatliches Geburtenkontrollprogramm umgesetzt. Ziel ist es, eine aus dem Ruder laufende Populationsentwicklung einzudämmen – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus schlichter Notwendigkeit.

Am 25. Januar rückten Tierärzte des Department of National Parks gemeinsam mit Wissenschaftlern der Chiang-Mai-Universität in den Bo-Rai-Distrikt der Provinz Trat aus. Einsatzgebiet war der Khlong Kaeo Waterfall National Park, ein Waldgebiet im Osten des Landes.

Zwischen 21 und 22 Uhr, also zu einer Zeit, in der Elefanten ruhiger und besser erreichbar sind, wurden drei Elefantenkühe aus einer zwölfköpfigen Herde per Luftdruck-Dart geimpft – ohne Betäubung, ohne chirurgischen Eingriff, aber mit maximaler Vorsicht für Mensch und Tier.

Wenn Schutz zum Problem wird

Thailands erstes Geburtenkontrollprogramm für Wildelefanten - Zwischen Dorfstraße und Dschungel: Elefantenverhütung soll Leben retten Symbolfoto 2
Der Hintergrund ist unerquicklich, aber eindeutig: Thailands Wildelefanten vermehren sich schneller, als ihre Lebensräume verkraften können.
Allein in den östlichen Waldgebieten stieg die Zahl der Tiere von 334 Elefanten im Jahr 2015 auf 799 im Jahr 2025. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von über acht Prozent – für ein Großtier mit enormem Flächen- und Nahrungsbedarf eine explosive Entwicklung.

Die Folgen sind längst sichtbar: Wälder liefern nicht mehr genug Futter und Wasser, Elefanten wandern in Dörfer, auf Felder und Straßen. Seit 2012 kam es dabei zu 141 Todesfällen und 170 Verletzten, hinzu kommen massive landwirtschaftliche Schäden in mehr als 100 Unterdistrikten und sechs Provinzen. Der romantische Mythos vom friedlichen Riesen endet oft am Maisfeld oder Stromzaun.
Jedes Jahr werden ca. 10-20 Menschen von thailändischen Elefanten getötet.

Verhütung statt Verdrängung

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Die nun eingesetzte Lösung ist medizinisch unspektakulär, politisch jedoch heikel – und genau deshalb bemerkenswert: Es handelt sich um einen Impfstoff für weibliche Elefanten, der das Immunsystem so stimuliert, dass eine Befruchtung verhindert wird.


Getestet wurde das Verfahren bereits an afrikanischen Elefanten sowie an sieben domestizierten Elefanten in Thailand – mit 100 %iger Verträglichkeit.

Nach der Impfung bleiben die Tiere nicht einfach „sich selbst überlassen“. In den ersten 48 Stunden erfolgt eine engmaschige Beobachtung, anschließend werden über sieben Jahre hinweg alle sechs bis acht Monate Blut- und Kotproben genommen. Ziel ist es, die Immunreaktion langfristig zu dokumentieren – kein Schnellschuss, sondern kontrollierte Wissenschaft.

Balance statt falscher Romantik

Thailands erstes Geburtenkontrollprogramm für Wildelefanten - Zwischen Dorfstraße und Dschungel: Elefantenverhütung soll Leben retten Symbolfoto 1
Sukhee Boonsang, Leiter des Wildlife Conservation Office, bringt es nüchtern auf den Punkt:
Unkontrolliertes Wachstum führe zwangsläufig zu Nahrungsmangel, Dehydrierung, Verkehrsunfällen, Stromschlägen und eskalierenden Mensch-Tier-Konflikten. Artenschutz bedeute eben nicht „mehr um jeden Preis“, sondern ein Gleichgewicht, das langfristig tragfähig ist.

Gerade darin liegt die eigentliche Bedeutung dieses Programms:
Geburtenkontrolle wird hier nicht als Eingriff gegen die Natur verstanden, sondern als Instrument moderner Verantwortung. Eine Maßnahme, die Tierleid reduziert, menschliche Opfer verhindert und die Koexistenz von Elefant und Dorfbewohner zumindest wieder denkbar macht.
Die sanfte Verhütung bei Wildelefanten ist kein Zeichen von Respektlosigkeit gegenüber der Natur – sondern vielleicht das Eingeständnis, dass Schutz ohne Steuerung irgendwann zur Gefahr für alle wird.


Quellen: PRDth, Ministerium für Nationalparks

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