05.02.2026
Politik
Thailands ewige Alkoholfrage geht in die nächste Runde
Ist der Nachmittagsverkauf von 14 -17 Uhr gar nicht der Untergang?
Der aktuelle Stand: Ein Verbot auf Probe
Seit Anfang Dezember 2025 läuft landesweit ein 180-tägiger Testzeitraum, in dem Alkohol auch am Nachmittag verkauft werden darf. Ziel ist es, endlich herauszufinden, ob Thailands Gesellschaft tatsächlich kollabiert, sobald jemand um 15:30 Uhr ein Bier kaufen kann – oder ob sich das Leben einfach ganz normal weiterdreht.Die ersten Ergebnisse überraschen offenbar selbst die Behörden: Weder Verkehrsunfälle noch Alkohol am Steuer haben zugenommen, im Gegenteil. Während der besonders sensiblen Neujahrszeit zeigten die Statistiken sogar einen leichten Rückgang. Eine Erkenntnis, die in Thailand traditionell sofort neue Ausschüsse, weitere Gespräche und zusätzliche Prüfaufträge nach sich zieht.
Kann es wirklich sein, dass ein Bier um 16:00 Uhr gar nicht tödlicher ist, als das Bier nach 17:00 Uhr?
Die Politik: Zustimmung, aber bitte mit Sicherheitsabstand
Gesundheitsminister Pattana Promphat erklärte nach einer Sitzung des Alcoholic Beverage Control Committee, dass man zwar grundsätzlich offen für eine Lockerung sei – aber selbstverständlich erst nach noch mehr Gesprächen, Datensätzen und vorsichtigen Formulierungen.Auslöser der aktuellen Diskussion war ein Vorschlag des Eastern Economic Corridor Office of Thailand, im Umfeld der Eastern Aviation City und rund um Flughäfen Alkoholverkauf rund um die Uhr zu erlauben. Die Argumentation: internationale Investoren, 24-Stunden-Betrieb, globale Standards. Kurz gesagt: Weltstadtlogik trifft auf thailändisches Regelwerk.
Der Ausschuss signalisierte prinzipielle Zustimmung, verwies aber darauf, dass Flughäfen, Hotels und bestimmte Entertainment-Bereiche ohnehin bereits Ausnahmen genießen. Schwieriger werde es bei Messen, Events, Rennstrecken und ähnlichen Orten – hier seien „strenge Begleitmaßnahmen“ nötig. Was genau das bedeutet, wird noch herausgearbeitet. Selbstverständlich.
Zahlen gut, Sorgen bleiben
Offiziell lautet die Haltung: Die bisherigen Daten zeigen kein klares Problem, aber auch noch keinen endgültigen Beweis, dass es keines gibt. Sollte sich nach Ablauf der 180 Tage weiterhin kein negativer Effekt zeigen, stehen drei Optionen zur Wahl: Rückkehr zum alten Verbot, dauerhafte Abschaffung oder – man ahnt es – eine weitere Testphase.Entscheidend seien nicht nur Unfallzahlen, sondern auch „soziale Auswirkungen“. Was genau darunter fällt, bleibt offen und bietet Raum für künftige Debatten.
Verkäufer in der Haftung
Parallel dazu arbeitet das Gesundheitsministerium an neuen Leitlinien zur Einschätzung von Trunkenheit, die noch vor Songkran 2026 in Kraft treten sollen. Hintergrund: Laut Gesetz darf kein Alkohol an sichtbar betrunkene Personen verkauft werden – und bei Verstößen haftet auch der Verkäufer.Praktisch sieht das so aus: Händler sollen künftig einfache Tests anwenden können. Etwa Finger-zur-Nase, auf einer Linie gehen oder auf einem Bein stehen. Hightech braucht es nicht – Koordination reicht. Wer durchfällt, bleibt trocken. Wer später trotzdem einen Unfall baut, kann den Händler nur dann belangen, wenn nachweislich fahrlässig gehandelt wurde.
Kommentar der Red.:
Thailand nähert sich also weiterhin mit der Eleganz eines schreckhaften Rehs der revolutionären Erkenntnis, dass ein Bier um 15 Uhr offenbar doch nicht automatisch zum gesellschaftlichen Zusammenbruch führt. Die Zahlen bleiben entspannt, die Politik dagegen bleibt sich treu und prüft lieber noch einmal – man weiß ja nie, ob Statistik über Nacht plötzlich betrunken wird.Ob das legendäre 14-bis-17-Uhr-Verbot wirklich fällt, ist natürlich völlig offen. Falls ja, dann nur mit Fußnoten, Ausnahmen, Sonderzonen, Übergangsfristen und vermutlich einer Hotline für emotionale Unterstützung verunsicherter Beamter. Thailand eben – das Land, in dem ein Nachmittagsbier erst dann erlaubt ist, wenn es mindestens eine 180-Tage-Studie, drei Ausschüsse und ein Diagramm mit leicht fallender Kurve überlebt hat.
Und ohnehin gilt: Morgen sind wegen der nächsten Neuwahlen wahrscheinlich wieder alle Regeln anders. Vorausgesetzt natürlich, die Wahlergebnisse überzeugen auch die Wahlkommission – was in Thailand bekanntlich ebenfalls eine Frage von Geduld, Interpretation und gelegentlicher Neujustierung ist.
Ach, ich liebe dieses Land, nicht nur wegen des leckeren Essens, der atemberaubenden Natur, der herrlichen Strände oder der lieben Menschen, nein auch wegen der immerwährenden Unterhaltung durch die Politik, bei der eines gewiss ist: "Morgen wird alles anders - vielleicht!" Und wenn ich hier sitze, kann ich mir sicher sein, Stoff für Nachrichten gibt es immer! 🍺
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