Thailands Probleme mit globalen Nachhaltigkeitsstandards - Reisenews Thailand
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20.05.2025

Umwelt  

Thailands Probleme mit globalen Nachhaltigkeitsstandards

Schein und Sein im Paradies: Öko-Tourismus - oder nur grüne Rhetorik?

Thailands Probleme mit globalen Nachhaltigkeitsstandards - Reisenews Thailand - Symbolfoto 1

Thailand inszeniert sich gern als Land des Lächelns – und nun offenbar auch als Land der nachhaltigen Visionen. Doch hinter der freundlich formulierten Fassade bröckelt das Bild. Beim Thailand Tourism Forum 2025 wurde deutlich: Die Ambitionen sind groß, die Realität – nun ja – eher grün hinter den Ohren. Weniger als 1 % der thailändischen Hotels erfüllen internationale Nachhaltigkeitsstandards. Das ist selbst in tropischem Klima ein ziemlich frostiger Wert.

Nachhaltigkeit: Groß gedacht, klein umgesetzt

Aus dem Tourismusministerium kam Thailands neue Doppelstrategie: Nachhaltigkeit fördern – und gleichzeitig die Einnahmen steigern. Ein hehrer Plan, der allerdings so klingt, als wolle man den Dschungel schützen, indem man ihn zu einem Themenpark umbaut. Die Ziele seien klar: Umweltbewusstsein, bessere Infrastruktur und weniger PM2.5-Feinstaubbelastung. Klingt nach Fortschritt – wenn man ignoriert, dass dieselben Themen schon seit zehn Jahren in Ministeriums-PowerPoints herumschwirren.

Im Zentrum steht dabei die Kampagne „Amazing Thailand Grand Tourism & Sports Year“ – der Name ist so lang wie die Liste an ungeklärten Maßnahmen. Immerhin: Charterflüge sollen ausgebaut, neue Destinationen erschlossen, bestehende Sehenswürdigkeiten nachhaltiger gestaltet werden. Nur fragt sich: Nachhaltiger für wen – für die Natur oder für das Budget?

99 % der Hotels hinken hinterher

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Alisara Sivayathorn, CEO des Sivatel Bangkok, brachte die harte Realität auf den Punkt: Nur 109 Hotels in ganz Thailand erfüllen globale Nachhaltigkeitsstandards. Das sind weniger als 1 %. Und das in einem Land mit Tausenden Unterkünften – vom Luxustempel bis zur Backpacker-Hängematte.

Sie warnt: Nachhaltigkeit sei keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit – auch weil Kundenplattformen wie Booking.com bereits Hotels ausfiltern, die ökologisch nicht mithalten können. Man stelle sich vor, man wird nicht wegen schlechter Bewertungen, sondern wegen zu viel Plastik abgestraft – das tut in der Hotellerie doppelt weh.

So forderte Sivayathorn mehr Engagement für Abfallmanagement, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und den Bezug lokaler Produkte. Ihr eigenes Hotel hat über acht Jahre an einem umfassenden Nachhaltigkeitsprogramm gearbeitet. Vielleicht auch deshalb, weil Gäste aus Europa heute lieber in einem Hotel mit Solarstrom als mit Einweggabeln einchecken.

Touristen grün unbedingt, aber bitte nicht zu teuer

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Kla Tangsuwan, CEO von Wisesight, warf einen Blick auf die Verbraucher-Seite. Laut Social-Media-Analysen gab es über 6.800 Posts zu nachhaltigem Reisen – mit über 1,2 Millionen Interaktionen. Besonders beliebt: Themen wie Plastikvermeidung und Abfalltrennung.

Selbst 65 % der thailändischen Reisenden gaben an, mehr für Umweltschutz zahlen zu wollen. Doch in der Praxis zeigt sich: Sobald das Bio-Strohhalm-Set 10 Baht mehr kostet als die Plastikversion, siegt oft das Portemonnaie über das Prinzip. Auch die Anbieter hinken hinterher. Viele Gäste hätten schlicht keine Wahl, weil die umweltfreundlichere Option im Hotel oder beim Touranbieter gar nicht angeboten werde.

Zwischen Wunschdenken und Plastikbesteck

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Thailand hat erkannt, dass nachhaltiger Tourismus kein Nischenprodukt mehr ist, sondern über die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Destinationen entscheidet. Die Politik spricht die richtigen Worte, Experten liefern stichhaltige Daten, die Branche weiß um die Relevanz. Und doch bleibt ein gewaltiges Delta zwischen Anspruch und Realität.

Denn: Visionen ohne Umsetzung sind wie Bambus-Strohhalme ohne Getränk – ökologisch korrekt, aber vollkommen nutzlos. Damit Thailand wirklich zur „nachhaltigen Destination von Weltrang“ wird, braucht es mehr als Konferenzen, Slogans und Charterflüge. Es braucht Mut zur Reform – und manchmal auch die Ehrlichkeit, einzugestehen: Wir sind noch nicht da, wo wir gerne wären.
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