11.03.2026
Wirtschaft
Thailands ungewöhnliche Maßnahmen gegen Energieknappheit
Energie sparen im Staatsdienst: Homeoffice und Treppensteigen 😆 😆
Premierminister Anutin Charnvirakul hat staatliche Behörden angewiesen, ihren Energieverbrauch deutlich zu reduzieren. Eine der ersten Maßnahmen: Viele Staatsbedienstete sollen vorübergehend von zu Hause aus arbeiten. Damit sollen Pendelverkehr, Stromverbrauch in Bürogebäuden und andere energieintensive Abläufe reduziert werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind lediglich Mitarbeiter, die im direkten Kontakt mit Bürgern arbeiten und deren Präsenz in Behördengebäuden notwendig ist.
Zusätzlich hat die Regierung ihre Angestellten dazu aufgefordert, Treppen statt Aufzüge zu benutzen, um den Stromverbrauch in öffentlichen Gebäuden zu senken. Auch wenn diese Maßnahme eher symbolisch wirkt, soll sie Teil eines umfassenderen Programms sein, mit dem staatliche Institutionen ihren Energiebedarf möglichst schnell reduzieren.
Weniger Klimaanlage, weniger formelle Kleidung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Stromverbrauch durch Klimaanlagen – einem der größten Energieposten in tropischen Ländern wie Thailand. Behörden wurden daher angewiesen, ihre Klimaanlagen künftig auf 26 bis 27 Grad Celsius einzustellen.Damit diese Temperatur für Mitarbeiter akzeptabler bleibt, empfiehlt die Regierung gleichzeitig eine Lockerung der üblichen Büroetikette. Beamte sollen kurzärmelige Hemden tragen, statt formeller Kleidung wie Anzüge oder Krawatten.
Auch in Bürogebäuden selbst soll Energie gespart werden. Mitarbeiter wurden angewiesen, Licht, Computer und andere elektrische Geräte konsequent auszuschalten, sobald sie nicht benötigt werden.
Energiereserven für rund drei Monate
Nach Angaben des Energieministeriums verfügt Thailand derzeit noch über Energiereserven, die für etwa 95 Tage ausreichen. Dennoch versucht das Land, zusätzliche Versorgungssicherheit aufzubauen. Thailand bemüht sich deshalb verstärkt um neue Lieferverträge für Flüssigerdgas (LNG) aus verschiedenen Regionen der Welt, darunter die USA, Australien und Südafrika.Der Schritt zeigt, wie abhängig das Land weiterhin von Gas ist. Rund 68 Prozent des thailändischen Energiebedarfs werden durch Erdgas gedeckt. Ein Teil davon stammt aus Förderfeldern im Golf von Thailand, während ein erheblicher Anteil importiert wird. Ein wichtiger Lieferant ist auch das Nachbarland Myanmar, von dem etwa 13 Prozent der thailändischen Gasimporte stammen.
Um die eigene Versorgung zu sichern, hat Thailand bereits zu Beginn des Monats beschlossen, Energieexporte weitgehend einzustellen. Ausnahmen gelten lediglich für die Nachbarländer Laos und Myanmar.Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass genügend Energie für die eigene Bevölkerung und die Wirtschaft verfügbar bleibt, falls sich die internationale Lage weiter verschärfen sollte.
Weitere Sparmaßnahmen möglich
Die Regierung bereitet sich gleichzeitig auf ein Szenario vor, in dem zusätzliche Schritte erforderlich werden könnten. Sollte sich die Energiekrise verschärfen, könnten weitere Maßnahmen folgen.Diskutiert wird beispielsweise, die Beleuchtung von Werbeschildern, Geschäften und Kinos zu dimmen, um Strom zu sparen. Auch eine frühere Schließung von Tankstellen – etwa um 22 Uhr – steht als mögliche Option im Raum.
Neben Maßnahmen im Staatsdienst setzt die Regierung auch auf die Unterstützung der Bevölkerung. Bürger sollen dazu ermutigt werden, ihren Energieverbrauch ebenfalls zu reduzieren. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören unter anderem Fahrgemeinschaften, um den Treibstoffverbrauch zu senken, sowie ein bewussterer Umgang mit Strom im Alltag.
Derzeit handelt es sich bei den Maßnahmen vor allem um vorsorgliche Schritte, um Thailand auf mögliche Engpässe vorzubereiten. Noch ist die Energieversorgung des Landes stabil. Die Regierung versucht jedoch, frühzeitig gegenzusteuern, um im Falle weiterer geopolitischer Spannungen ausreichend Handlungsspielraum zu haben.
Sollte sich die Lage auf den internationalen Energiemärkten beruhigen, könnten viele der Maßnahmen wieder gelockert werden. Bis dahin setzt Thailand auf eine Kombination aus Sparmaßnahmen, neuen Energiequellen und verstärkter Kooperation zwischen Staat, Wirtschaft und Bevölkerung.
Quellen: NBT World, ThaiRath, ThaiPRD
Kommentar der Red.:
Man muss der thailändischen Regierung eines lassen: Kreativität beim Energiesparen ist durchaus vorhanden. Homeoffice für Beamte, Klimaanlagen auf 26 Grad und – besonders ambitioniert – Treppensteigen statt Aufzug.Nun sind allerdings sowohl die Bangkok Metropolitan Administration als auch zahlreiche Ministerien bekanntermaßen in durchaus respektablen Hochhäusern untergebracht. Wer dort künftig täglich mehrere Dutzend Stockwerke erklimmen soll, bekommt quasi ein kostenloses Fitnessprogramm gleich mitgeliefert. Vielleicht entdeckt man dabei sogar noch weitere, ganz neue Einsparpotenziale. Wenn sich morgens Hunderte Beamte auf den Weg zu ihren Büros machen und dabei ein paar hundert Stufen erklimmen müssen, dürfte der eine oder andere spätestens im zwölften Stockwerk darüber nachdenken, ob der Staatsdienst wirklich die richtige Lebensentscheidung war.
Ganz nebenbei würde sich auch der Stromverbrauch reduzieren: Wer erschöpft im Büro ankommt, schaltet vermutlich freiwillig weniger Geräte ein. Und wer nach der dritten Treppenetappe einfach im Treppenhaus sitzen bleibt, spart dem Staat ebenfalls eine Menge Energie.
Man könnte also sagen: Das Programm verbindet gleich mehrere Ziele – Energiesparen, Gesundheitsförderung und vielleicht sogar eine gewisse natürliche Auslese im öffentlichen Dienst. Und sollte das alles noch nicht reichen, hat die Regierung ja bereits weitere Ideen angekündigt: gedimmte Werbeschilder, früher geschlossene Tankstellen und vermutlich irgendwann die Empfehlung, Kerzenlicht wieder als romantische Alternative zur Stromrechnung zu entdecken.
Thailand geht damit einen sehr eigenen Weg durch die Energiekrise: weniger Technik, mehr Bewegung – und ein Treppenhaus als neuer Arbeitsplatz für besonders engagierte Staatsbedienstete.
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