19.05.2026
Sport
Trumps & Infantinos WM ist zu teuer für Thais
Wenn Fußball plötzlich wie Luxus-Kaviar mit Abseitsregel wirkt
Kurz gesagt: Trump-Land als Bühne, Infantino als Zeremonienmeister – und irgendwo in Bangkok rechnet jemand nach und bekommt Kopfschmerzen.
Thailand hat es bislang nicht geschafft, sich mit den Rechteinhabern auf die Übertragung der FIFA-WM 2026 zu einigen. Der Grund ist erstaunlich nüchtern: zu teuer. Oder in Behördenprosa: Die geforderten Übertragungskosten seien wirtschaftlich schwer darstellbar. Übersetzt heißt das vermutlich: „Seid ihr eigentlich noch ganz dicht?“
Frühere Verhandlungen sollen sich an einem Budget von rund 600 Millionen Baht orientiert haben. Das klingt schon nach ordentlich viel Geld für 90 Minuten Ballgeschiebe, Zeitlupen, Expertenrunden und Werbeblöcke mit Pick-up-Trucks. Doch offenbar reicht selbst diese Summe nicht, um die FIFA-Welt der gepflegten Rechteverwertung zufriedenzustellen.
Die WM 2026 findet in den USA, Kanada und Mexiko statt – aus thailändischer Sicht also zu ziemlich undankbaren Zeiten. Viele Spiele laufen nachts oder frühmorgens, wenn normale Menschen schlafen, Straßenhunde philosophieren und Werbekunden sich fragen, ob sie um vier Uhr morgens wirklich Waschmittelspots buchen möchten.
Genau das ist eines der Hauptprobleme: Die Spiele mögen sportlich attraktiv sein, aber kommerziell sind sie für Thailand zeitlich eher eine müde Angelegenheit. Wenn der Anpfiff mitten in der Nacht liegt, sinkt der Werbewert. Und wenn der Werbewert sinkt, sinkt auch die Lust privater Unternehmen, kräftig mitzufinanzieren. Dumm nur, dass die FIFA ihre Preise offenbar nicht nach thailändischen Schlafgewohnheiten kalkuliert, sondern nach dem Motto: Weltmeisterschaft ist Weltmeisterschaft, bitte zahlen, danke, nächste Nation.
Infantino lächelt, Thailand rechnet
FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht über Fußball gerne, als ginge es um Weltfrieden mit Eckfahnen. Alles ist großartig, historisch, inklusiv, global und natürlich immer im Sinne der Fans. Dass am Ende jemand sehr viel Geld überweisen soll, ist vermutlich nur ein kleiner Verwaltungsnebeneffekt dieser grenzenlosen Fußballliebe. Thailand schaut nun auf die geforderten Summen und fragt sich: Lohnt sich das? Oder wäre es vielleicht sinnvoller, mit öffentlichem Geld Dinge zu finanzieren, die nicht nach 120 Minuten und Elfmeterschießen wieder vorbei sind?Die Regierung prüft deshalb, ob der Kauf der Übertragungsrechte mit öffentlichen Mitteln überhaupt vertretbar ist. Eine endgültige Entscheidung soll dem Kabinett vorgelegt werden. Übersetzt: Man sucht gerade nach einer Antwort auf die Frage, ob man der Bevölkerung erklären kann, warum hunderte Millionen Baht für Fußballrechte ausgegeben werden sollen, während viele Menschen im Alltag ganz andere Sorgen haben.
Natürlich wäre eine WM ohne frei zugängliche Übertragung für viele Fans bitter. Fußball lebt vom gemeinsamen Schauen, Jubeln, Leiden und vom gepflegten Beschimpfen des Schiedsrichters, der es ohnehin nicht hört. Auch in Thailand gibt es viele leidenschaftliche Fußballfans, vor allem für europäische Ligen und große internationale Turniere.
Aber Leidenschaft hat Grenzen. Besonders, wenn sie mit einer sehr saftigen Rechnung kommt. Bei passenden Anstoßzeiten könnten Sponsoren, Bars, Restaurants, Einkaufszentren und Fernsehsender leichter mitziehen: Prime Time, volle Lokale, Werbekunden mit glänzenden Augen. Doch frühe Morgenstunden sind nun einmal nicht die natürliche Paarungszeit von Bierwerbung, Chipskampagnen und Familienpublikum.
Wer will schon um 3 Uhr morgens begeistert eine Autoversicherung abschließen, nur weil gerade Mexiko gegen Slowenien spielt?
Die neue Fußballrealität
Das Problem zeigt, wohin sich der internationale Fußball entwickelt hat. Die WM wird aufgeblasen, vermarktet, verkauft und in immer feinere Rechtepakete zerlegt. Am Ende sollen Sender, Regierungen oder private Investoren tief in die Tasche greifen, damit Fans das sehen dürfen, was ihnen ständig als „globales Fest des Fußballs“ verkauft wird.Die FIFA präsentiert die WM gerne als Ereignis für die ganze Welt. Aber wenn kleinere oder mittelgroße Märkte feststellen, dass sie sich dieses Weltfest kaum leisten können, wirkt die Sache plötzlich weniger romantisch. Dann ist Fußball nicht mehr die Sprache, die alle verbindet, sondern ein Premiumprodukt mit geografisch ungünstigem Sendetermin. Thailand steht nun da und sagt sinngemäß: Schönes Turnier. Sehr hübsche Hochglanzbroschüre. Aber vielleicht etwas teuer für eine Nation, deren Zuschauer zur Anstoßzeit noch mit dem Kopf im Kissen stecken.
Trump, Infantino und der Preis der großen Bühne
Die WM 2026 wird auch politisch und symbolisch ein Spektakel. Die USA als Hauptbühne, Donald Trump als wieder präsenter Machtfaktor, Infantino als dauerlächelnder Fußball-Kaiser mit globalem Sendungsbewusstsein – da ist die Show fast schon vorprogrammiert.Nur in Thailand könnte es passieren, dass viele Fans nicht im Stadionglanz baden, sondern in die Röhre schauen. Oder in fragwürdige Streams, was natürlich niemand offiziell empfehlen würde, weil das böse, illegal und überhaupt ganz furchtbar ist. Aber wenn Weltfußball zur Luxusware wird, darf man sich nicht wundern, wenn Fans kreative Wege finden, trotzdem an ihr Spiel zu kommen.
Das ist die Ironie: Je teurer man den Zugang macht, desto mehr fördert man genau das Verhalten, das Rechteinhaber angeblich bekämpfen wollen.
Kabinett vor der Frage: Fußball oder Vernunft?
Nun liegt der Ball politisch bei der thailändischen Regierung. Soll man zahlen, damit die WM im Land möglichst breit empfangbar ist? Oder soll man sagen: Für diese Summe, zu diesen Sendezeiten und mit diesen Werbeaussichten ist das wirtschaftlich schlicht nicht vernünftig?Beides hat Risiken. Zahlt die Regierung, kommt die Frage, warum öffentliches Geld in ein extrem teures Sportrechtepaket fließt. Zahlt sie nicht, ärgern sich Fußballfans und werfen der Politik vor, ihnen das größte Turnier der Welt vorzuenthalten.
Es ist also eine klassische Entscheidung zwischen schlechter Laune mit Rechnung und schlechter Laune ohne Fußball.
Kommentar der Red.:
Die Fußball-WM 2026 sollte eigentlich ein Fest werden. Ein globales Spektakel. Menschen aus aller Welt, Fahnen, Hymnen, Emotionen, Fußballromantik mit Großbildleinwand und Gänsehaut. So verkauft es die FIFA jedenfalls gern, wenn Gianni Infantino wieder dieses widerliche pseudostaatsmännische Lächeln aufsetzt, bei dem man sicher weiß, dass er gerade über nicht Völkerverständigung spricht sondern innerlich eine Excel-Tabelle mit Rechteerlösen küsst.Für Thailand sieht dieses „Fest für alle“ allerdings eher aus wie eine Einladung ins Nobelrestaurant, bei der am Eingang steht: Bitte Kreditkarte, Social-Media-Profile und Restwürde bereithalten. Denn die WM in den USA, Kanada und Mexiko wird nicht nur sportlich groß. Sie wird auch ein Musterbeispiel dafür, wie man Fußball so lange aufbläst, bis selbst begeisterte Fans irgendwann fragen: Geht’s noch um den Ball – oder nur noch um die Kasse?
Thailand soll für Übertragungsrechte tief in die Tasche greifen, obwohl viele Spiele wegen der Zeitverschiebung nachts oder frühmorgens laufen. Also genau dann, wenn normale Menschen schlafen, Werbekunden gähnen und nur noch sehr überzeugte Fans bereit sind, um drei Uhr morgens emotional in ein Gruppenspiel einzusteigen. Das macht die Rechte wirtschaftlich unattraktiv – außer natürlich für die FIFA, die offenbar auch einen Wecker als Premiumprodukt verkaufen würde.
Und wer live hin will? Viel Spaß. Hotels, Parkplätze, Inlandsflüge, Tickets, Transfers – alles dürfte so teuer werden, dass man vorher besser nicht „Urlaubsbudget“ sagt, sondern gleich „kleine Vermögensumschichtung“. Die USA waren noch nie bekannt als Discount-Paradies für Großevents, aber eine WM dort verspricht Preisaufschläge mit der Eleganz eines Raubüberfalls im Fanartikelshop.
Dazu kommt die politische Folklore: Ein Amerika unter Trump, das Ausländer gerne als Publikum begrüßt, solange sie zahlen, lächeln, konsumieren und bitte möglichst keine komplizierten Fragen stellen. Gleichzeitig ICE-Verhaftungen, schärfere Einreisekontrollen und Social-Media-Prüfungen für zahlreiche Visakategorien. Das US-Außenministerium hat die Online-Prüfung für weitere Visaarten ausgeweitet und fordert betroffene Antragsteller auf, ihre Social-Media-Profile öffentlich zugänglich zu machen.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die Welt soll zum Fußballfest kommen, aber vorher bitte digital die Hosen runterlassen. Willkommen im Land der Freiheit – bitte posten Sie Ihre letzten fünf Jahre Instagram zur Sicherheitsüberprüfung.
Und dann steht Donald Trump auf der Bühne, sichtlich nicht mehr auf dem Höhepunkt geistiger Frische, aber mit maximalem Sendungsbewusstsein. Daneben Infantino, weit weniger ehrlich, als er sich gibt, mit dieser Mischung aus Fußballprediger, Rechtedealer und globalem Hoflieferanten der Hochglanzheuchelei. Beide erzählen etwas von Größe, Weltgemeinschaft und historischem Moment. Im Hintergrund rasseln die Kassen, und irgendwo fragt ein thailändischer Beamter: „Müssen wir dafür wirklich 600 Millionen Baht auf den Tisch legen?“
Die ehrliche Antwort wäre: Nein, müssen sie nicht. Zumindest nicht um jeden Preis.
Denn diese WM zeigt sehr schön, was aus dem Weltfußball geworden ist: ein Turnier, das sich als Volksfest verkleidet, aber zunehmend wie ein Luxusprodukt funktioniert. Fans sollen lieben, Staaten sollen zahlen, Sender sollen bieten, Sponsoren sollen schlucken – und am Ende nennt man das dann „globales Fußballerlebnis“.
Für thailändische Fans ist das besonders bitter. Sie lieben Fußball, sie verfolgen europäische Ligen, sie sitzen nachts vor dem Fernseher, sie kennen Vereine, Spieler und Tabellen besser als manche europäischen Gelegenheitspatrioten während der EM. Aber Liebe allein bezahlt keine FIFA-Rechnung.
Und vielleicht liegt genau darin die kleine Genugtuung: Thailand rechnet nach. Thailand fragt, ob der Spaß den Preis wert ist. Thailand lässt sich nicht automatisch vom WM-Glitzer blenden.
Bei Infantino klingt Fußball immer wie ein Geschenk an die Menschheit. In Wahrheit kommt es inzwischen oft per Einschreiben mit Gebührenbescheid.
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