18.08.2026
Reisetipps
Vorsicht bei Bootstouren in Thailand - Seenotrettung meiden
Wenn „No ploblem“ auf drei Meter Wellen trifft... Leichtsinnige Bootsführer
Doch gerade während des Südwestmonsuns an der Andamanenküste rund um Phuket, Phang Nga und Krabi sollte man eine wichtige Sache nicht an der Hotelrezeption abgeben: die eigene Verantwortung. Denn ein bezahltes Ticket ist keine Garantie dafür, dass die Bedingungen auf See sicher sind. Und die Tatsache, dass ein Bootsführer bereit ist auszulaufen, bedeutet ebenfalls nicht automatisch, dass man selbst einsteigen sollte.
Die Warnungen gibt es – man muss sie nur ernst nehmen
Thailand hat keineswegs das Problem, dass schlechtes Wetter völlig überraschend über die Andamanensee hereinbricht. Der Thai Meteorological Department (TMD) veröffentlicht regelmäßig detaillierte und sehr exakte Seewetterwarnungen.Und die können ziemlich eindeutig ausfallen: Für die obere Andamanensee wurden beispielsweise mehrfach Wellenhöhen von zwei bis drei Metern und bei Gewittern mehr als drei Metern prognostiziert. Dann heißt es ausdrücklich, Schiffe sollten Gewittergebiete meiden und kleine Boote an Land bleiben. Nur zweifelt der Bootsführer, dass sein 14 m langes Longtailboot ein kleines Boot wäre.
Drei Meter hören sich am Strand vielleicht nicht besonders dramatisch an. Wer einmal in einem kleinen Speed- oder Longtailboot zwischen solchen Wellen gesessen hat, entwickelt allerdings ziemlich schnell eine neue Definition des Wortes „Wellenhöhe“. Und Gewitterzellen sind noch einmal ein besonderes Problem: Lokal können Wind und Seegang erheblich stärker sein als die allgemeine Vorhersage vermuten lässt.
Der Bootsführer sagt: „No problem“
Das ist der Punkt, an dem Urlauber manchmal zu viel Vertrauen haben. Der Fahrer kennt das Meer. Der Veranstalter macht das schließlich jeden Tag. Wenn die Tour verkauft wird und andere Passagiere einsteigen, wird es schon sicher sein. Kann sein. Muss aber nicht.Viele thailändische Bootsführer sind ausgesprochen erfahren und verantwortungsbewusst und sagen Fahrten ab, wenn ihnen die Bedingungen zu gefährlich erscheinen. Gerade diese Anbieter verdienen Vertrauen.
Aber es gibt eben auch wirtschaftlichen Druck. Eine abgesagte Tour bedeutet verlorene Einnahmen. Hinzu kommt menschliche Routine: Wer seit 20 Jahren aufs Meer fährt und schon hundert Gewitter erlebt hat, kann irgendwann glauben, auch das 101. problemlos zu beherrschen. Nur leider interessiert sich die Andamanensee nicht dafür, wie viele Jahre jemand schon Longtailboat fährt.
2025: Wie viele Boote sind tatsächlich gekentert?
Hier muss man mit Zahlen vorsichtig sein. Eine belastbare öffentlich zugängliche Gesamtstatistik, aus der hervorgeht, wie viele Touristenboote 2025 in ganz Thailand gekentert oder gesunken sind, konnte ich nicht finden. Eine konkrete Zahl wie „27“ oder „50“ wäre deshalb unseriös.In unserem Gedächtnis sind jedoch noch mehrere größere Fälle
Im Januar 2025 sank beispielsweise vor Phuket das Touristenboot Ameray 888 mit 38 Menschen an Bord, nachdem Wasser eingedrungen war. Alle Menschen konnten gerettet werden.Im März geriet ein Speedboot mit 28 Touristen auf dem Weg von Koh Lipe nach Phuket in Schwierigkeiten. Wellen hatten laut Berichten zu einem Leck am Bootsboden geführt; die Passagiere mussten vor Krabi gerettet werden.
Im Juli kenterte auf dem Ratchaprapha-Stausee in Surat Thani ein Longtailboot mit 16 ausländischen Touristen, Bootsführer und Reiseleiterin. Die Touristen und der Kapitän überlebten, die thailändische Reiseleiterin ertrank. Als Ursache wurden starke Wellen genannt.
Im November geriet außerdem eine Fähre von Koh Kood zum Festland mit 97 Passagieren und zehn Besatzungsmitgliedern in Seenot, nachdem ein Loch im Rumpf entdeckt worden war. Wegen des hohen Wellengangs ankerte der Kapitän und forderte Hilfe an. Alle 107 Menschen konnten gerettet werden.
Das ist keine vollständige Aufzählung, sondern nur einige dokumentierte Beispiele. Sie zeigen aber ziemlich deutlich, warum das Thema nicht einfach als theoretisches Restrisiko abgetan werden sollte.
Das Smartphone kann im Zweifel wichtig sein
Bevor ich während der Regenzeit eine Bootstour antrete, würde ich deshalb selbst immer erst das Wetter prüfen. Nicht nur das hübsche Sonnensymbol in irgendeiner Wetter-App anschauen, sondern besonders auf Wind, Böen, Niederschlag, Gewitter und Wellenhöhe achten.Als erste Adresse eignet sich der offizielle Thai Meteorological Department. Für die Andamanenküste veröffentlicht auch das regionale Wetterzentrum Warnungen. Ende Juni/Anfang Juli 2026 hieß es dort beispielsweise ausdrücklich: 2–3 Meter Wellen, in Gewittern über drei Meter und kleine Boote sollten nicht auslaufen.
Daneben sind Apps wie Windy oder Windfinder praktisch, weil Wind, Böen, Regengebiete und Wellengang grafisch wesentlich verständlicher dargestellt werden. Wichtig ist allerdings: Eine App ersetzt keine offizielle Warnung und keine seemännische Erfahrung. Sie gibt einem Touristen aber zusätzliche Informationen, um überhaupt die richtigen Fragen stellen zu können.
Vor dem Ablegen fünf Minuten investieren
Bevor ihr einsteigt, schaut euch das Boot an. Es braucht dafür kein Schiffsbaustudium. Sind ausreichend Schwimmwesten vorhanden? Nicht irgendwo unter 47 Taschen und drei Kühlboxen verstaut, sondern tatsächlich erreichbar? Gibt es auch passende Westen für Kinder? Ist das Boot offensichtlich überfüllt? Wie sieht der Zustand aus? Gibt es Funk oder andere Kommunikationsmöglichkeiten?Und dann kommt der revolutionärste Sicherheitstipp überhaupt: Schwimmweste anziehen. Nicht erst dann, wenn das Boot bereits schräg liegt. Eine Rettungsweste funktioniert nämlich ausgesprochen schlecht, wenn sie sich während eines Unfalls unter einer Sitzbank befindet. Gerade Kinder sollten sie während der Fahrt grundsätzlich tragen.
Schwarze Wolken am Horizont? Man darf Nein sagen! Das wird manchmal vergessen: Als zahlender Gast darf man eine Tour ablehnen. Wenn morgens eine offizielle Unwetter- oder Seewarnung besteht, der Wind ordentlich bläst, draußen weiße Schaumkronen zu sehen sind oder sich über dem Meer eine schwarze Gewitterfront aufbaut, muss man nicht mitfahren, nur weil der Tourguide sagt: „No problem.“
Fragt nach einer Verschiebung oder Erstattung. Und wenn der Veranstalter das nicht möchte, muss man irgendwann entscheiden, was einem wichtiger ist: der Preis der Bootstour oder die eigene Sicherheit. Die 1.500 oder 2.000 Baht für einen ausgefallenen Tagestrip mögen ärgerlich sein. Mitten auf dem Meer festzustellen, dass die Entscheidung falsch war, ist erheblich ärgerlicher.
Besonders kritisch: Longtailboote und kleine Speedboote
Ein großes Fährschiff und ein kleines offenes Longtailboat reagieren auf drei Meter hohe See offensichtlich nicht gleich. Je kleiner das Boot, desto genauer sollte man deshalb hinschauen. Longtailboote sind wunderbare und für Thailand geradezu ikonische Verkehrsmittel. Für kurze Fahrten bei vernünftigen Bedingungen sind sie prima.Sie werden dadurch aber nicht zu hochseetauglichen Rettungskreuzern. Auch ein leistungsstarkes Speedboot gewinnt keinen Kampf gegen die Physik. Geschwindigkeit kann bei zunehmendem Seegang sogar zusätzliche Probleme verursachen.
Das Wetter an der Andamanenküste kann sich schnell verändern. Besonders zwischen ungefähr Mai und Oktober gehören Regen, kräftiger Südwestwind und hoher Seegang zur Jahreszeit. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass man während der Regenzeit keine Bootsausflüge unternehmen sollte. Es gibt wunderschöne Tage mit ruhiger See.
Es bedeutet nur: Jeden Tag neu entscheiden. Eine Tour, die gestern völlig problemlos war, kann morgen keine gute Idee sein. Und Koh Phi Phi, Hong Island, James Bond Island oder die kleinen Trauminseln vor Krabi laufen schließlich nicht weg.
Unser Rat
Verlasst euch nicht ausschließlich auf Tourveranstalter, Bootsführer oder Hotelrezeption. Prüft am Morgen selbst die Wetterlage, schaut nach offiziellen Marinewarnungen, werft einen Blick auf Wind und Wellen, kontrolliert die Schwimmwesten und hört auf euer Bauchgefühl.Wenn eine offizielle Warnung sagt, kleine Boote sollen im Hafen bleiben, braucht es keine Diskussion darüber, ob der Kapitän schon seit 25 Jahren zur See fährt. Dann bleibt man eben an Land. Thailand hat genügend fantastische Dinge zu bieten, um auch einen Tag ohne Boot zu überstehen. Denn selbst mit Schwimmweste, gibt es bedeutend angenehmere Dinge, als 4-6 Stunden zwischen meterhohen Wellen, ohne jegliche Sicht aufs Festland zu treiben, und dabei literweise Salzwasser zu schlucken.
Die schönste Insel der Welt ist keinen Ausflug wert, bei dem man sich unterwegs fragt, warum man eigentlich trotz Unwetterwarnung eingestiegen ist.
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