11.11.2025
Umwelt
Während die Welt zweifelt: Thais setzen auf Klimagipfel-Erfolge
Thailand erwartet von COP30 echte Lösungen statt Symbolpolitik
Thailand gehört damit zu den Ländern, die im globalen Vergleich am stärksten auf die Effektivität internationaler Klimapolitik vertrauen. Besonders asiatische und lateinamerikanische Staaten teilen diese optimistische Haltung – anders als Nordamerika und Europa, wo Skepsis und Ernüchterung dominieren.
Hohe Erwartungen an COP30
In Thailand halten:- 70 % COP30 für effektiv und ergebnisorientiert.
- Nur 23 % sehen den Gipfel als reine Symbolpolitik.
Weltweit dagegen:
- lediglich 34 % glauben an wirksame Resultate,
- 49 % halten COP-Konferenzen für vorwiegend symbolisch.
Kurz: Wo anderswo das Vertrauen in multilaterale Lösungen bröckelt, bleibt Thailand erstaunlich konstruktiv.
Kritischer Blick auf die Wirtschaft – wie überall
Beim Thema Unternehmensverantwortung unterscheidet sich Thailand kaum vom globalen Trend:- 70 % der Thai glauben, Unternehmen stellen Gewinne vor Umweltschutz.
- Weltweit: 69 %.
Gleichzeitig gibt es in Thailand eine deutliche Erwartung, dass:
- Milliardäre und extrem Vermögende stärker zur Finanzierung von Klimaschutz beitragen sollten (57 % Zustimmung).
Oder in Alltagssprache: „Wer mehr hat, soll auch mehr beitragen.“
Die Hindernisse aus Sicht der Bevölkerung
Als entscheidende Hürden für Fortschritte im Klimaschutz nennt die thailändische Öffentlichkeit vor allem Defizite in der Durchsetzung bestehender Umweltgesetze. 49 Prozent der Befragten sehen mangelnde Kontrolle und Sanktionen – etwa bei Abholzung oder Umweltverschmutzung – als eines der größten Probleme. Das liegt deutlich über dem globalen Durchschnitt von 34 Prozent.Ebenfalls stark gewichtet wird der fehlende politische Wille, den 46 Prozent der Thais als Bremse wahrnehmen (weltweit: 42 Prozent). Ein weiteres Thema betrifft die unzureichende Finanzierung von Umwelt- und Klimaprojekten, das 37 Prozent der Befragten kritisch sehen – in ähnlicher Größenordnung wie international.
Darüber hinaus nennen 30 Prozent den Einfluss der Agrarindustrie, die Maßnahmen zum Schutz von Wäldern und Wasserressourcen oft bremst. Dieser Wert liegt leicht über dem globalen Trend, bei dem wirtschaftliche Interessengruppen eine ähnlich, aber nicht ganz so große Rolle spielen.
Warum Thailand optimistischer blickt
Mehrere Faktoren spielen zusammen:- Klimafolgen sind in Thailand direkt spür- und sichtbar (Wasserknappheit, Hitze, Küstenerosion, enorme Überschwemmungen) ⇒ hoher Problemdruck.
- Klimapolitik wird nicht als kultureller oder ideologischer Kulturkampf geführt, wie in den USA oder Deutschland, sondern setzt auf vorhandene wissenschaftliche Ergebnisse. Hier gibt es keine Agitatoren, keine Verschwörungstheoretiker.
- Klimaschutz gilt als hervorragende wirtschaftliche Chance und wird nicht von rechten Parteien als Bedrohung stilisiert.
Kurz gesagt: Thailand muss, und Thailand glaubt, dass internationale Zusammenarbeit hilft. Man vertraut darauf, dass COP30 nicht nur redet, sondern liefert.
Doch während die öffentliche Stimmung positiv ist, sieht die Bevölkerung dennoch klar, wo es hakt: bei der Durchsetzung von Umweltgesetzen, der politischen Entschlossenheit und dem Einfluss wirtschaftlich starker Sektoren. Optimismus ja – aber mit klaren Erwartungen an Konsequenzen.
Kommentar
Schon interessant, wie unterschiedlich Länder mit Realität umgehen. In Thailand diskutiert man über Klimaschutz, Wiederaufforstung, Agrarlobby und politische Verantwortung – also echte Themen mit echter Wirkung. In Deutschland hingegen lautet die große Debatte oft: „Ist CO₂ vielleicht doch nur ein Gefühl?“ Und dann wundert man sich über Waldbrände und Dürre, als wäre der Planet ein unberechenbarer Teenager.Während in Thailand die Leute sagen: „Wir glauben, dass Klimakonferenzen etwas bringen könnten – aber nur, wenn wir auch konsequent handeln.“ heißt es hierzulande gerne: „Ich hab ein YouTube-Video gesehen, das alles widerlegt!“
Thailand hat sicher noch lange nicht alle Probleme gelöst – aber es gibt dort eine gewisse Erwachsenheit in der öffentlichen Debatte: Keine Telegram-Orakel, keine Lokalkönige der Selbstverwirrung, keine „WIR WERDEN UNTERDRÜCKT, WEIL WIR KEINE FAKTEN MÖGEN!“-Bürgerrechtsbewegung. Man kann Thailand wirklich viel vorwerfen – aber „Debattenkultur auf Sandkastenniveau“ gehört momentan erstaunlich wenig dazu.
Kurz gesagt:
In Thailand diskutiert man, wie man die Welt verbessert.
In Deutschland diskutiert man, ob sie überhaupt Probleme hat.
Und wundert sich dann, warum man nicht vorankommt.
Quelle:
Ipsos ist eines der weltweit größten Marktforschungs- und Meinungsforschungsinstitute. Das Unternehmen wurde 1975 in Frankreich gegründet und führt international Studien, Umfragen und gesellschaftliche Trendanalysen durch – unter anderem zu Politik, Wirtschaft, Konsum, Medien und sozialem Verhalten. Ipsos sammelt Daten darüber, was Menschen denken, kaufen, glauben oder wählen, und wertet diese wissenschaftlich aus.
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