09.03.2026
Phuket
Warum Phukets Mega-Pipeline noch Jahrzehnte entfernt ist
600 Millionen-Pipeline kommt irgendwann zwischen 2031 und 2050
Seit Jahrzehnten versprechen Politiker eine große Lösung. Sie soll spektakulär sein, teuer – und vor allem endgültig. Die Idee klingt simpel: Man baut eine riesige Pipeline vom Festland und pumpt Wasser aus der Provinz Surat Thani nach Phuket. Kostenpunkt rund 26 Milliarden Baht, also etwa 660 Millionen Euro.
Das Problem ist nur: Dieses Projekt existiert bislang vor allem auf Papier. Genauer gesagt in Studien, Planungsdokumenten, Regierungserklärungen und Präsentationen. Die eigentliche Pipeline ist bisher ungefähr so real wie ein Strandresort auf dem Mond.
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Die große Vision aus dem Dschungel von Surat Thani
Die geplante Lösung sieht vor, Wasser aus dem Ratchaprapha-Staudamm beziehungsweise aus dem Flusssystem Khlong Phum Duang zu entnehmen. Von dort soll es über Pumpstationen, Aufbereitungsanlagen und eine gigantische Fernleitung über rund 300 Kilometer nach Süden transportiert werden. Die Leitung würde auf ihrem Weg auch die Provinzen Krabi und Phang Nga versorgen, bevor sie schließlich Phuket erreicht.Technisch klingt das Projekt durchaus beeindruckend. Die geplante Anlage soll einmal bis zu 14.000 Kubikmeter Wasser pro Stunde liefern können. Allerdings nicht sofort, sondern in zwei Ausbaustufen. Die erste Phase soll irgendwann zwischen 2031 und 2040 beginnen, die zweite zwischen 2041 und 2050 folgen. Wer also heute in Phuket den Wasserhahn aufdreht und nichts hört außer einem traurigen Gluckern, darf sich trösten: In etwa zwanzig Jahren könnte alles besser werden.
Erinnerungen an die Krise von 2019
Dass Phuket überhaupt über solche Projekte nachdenken muss, liegt an einer Reihe von Wasserkrisen in den vergangenen Jahren. Besonders dramatisch war die Situation 2019, als mehrere Reservoirs auf der Insel auf historische Tiefstände sanken. Die Behörden reagierten damals mit drastischen Maßnahmen: Der Wasserdruck wurde stark reduziert, was in manchen Stadtteilen praktisch bedeutete, dass überhaupt kein Wasser mehr aus der Leitung kam.Luxushotels griffen zu einer improvisierten Lösung und ließen Wasser mit Tankwagen anliefern. Für eine internationale Tourismusdestination wirkte das ungefähr so glamourös wie ein Swimmingpool mit Gartenschlauch.
Für viele Einwohner war die Lage allerdings deutlich ernster. Bewohner einer staatlichen Wohnsiedlung für einkommensschwache Familien im Stadtteil Ratsada protestierten öffentlich, nachdem ihre Wasserversorgung über Monate unterbrochen worden war. Sie mussten Wasser von privaten Anbietern kaufen – ausgerechnet jene Menschen, die sich solche Zusatzkosten am wenigsten leisten konnten.
Seit dieser Krise sind Dürrewarnungen auf Phuket fast zu einer jährlichen Routine geworden. Immer wenn der Monsun sich verspätet, rufen Behörden Einwohner und Unternehmen dazu auf, Wasser zu sparen. 2023 warnte die Verwaltung erneut, dass verspätete Regenfälle zu großflächigen Versorgungsausfällen führen könnten.
Tourismus als Durstfaktor
Die Ursache liegt nicht nur im Klima, sondern auch im Erfolg der Insel. Phuket ist heute ein touristisches Kraftwerk. Millionen Gäste, Tausende Hotels, Pools, Wäschereien, Golfplätze und klimatisierte Resorts verbrauchen enorme Mengen Wasser. Während der Tourismus Milliarden in die lokale Wirtschaft spült, erhöht er gleichzeitig den Druck auf die ohnehin begrenzten Wasserressourcen.Vor diesem Hintergrund wird das Pipeline-Projekt gern als strategische Lösung präsentiert. Es soll langfristig sicherstellen, dass die Insel genug Wasser hat – für Einwohner ebenso wie für die immer weiter wachsende Tourismusindustrie.
Politische Dringlichkeit – zumindest in Reden
Als der damalige thailändische Vizepremierminister Anutin Charnvirakul im Jahr 2024 Phuket besuchte, erklärte er das Projekt öffentlich zur Priorität. Bei einer Inspektion des Bang Neow Dum Reservoirs forderte er die zuständige Wasserbehörde auf, das Pipelineprojekt endlich zu beschleunigen. Es sei notwendig, um die Wasserversorgung zu sichern, den Tourismus zu unterstützen und das wirtschaftliche Wachstum der Andamanenregion zu fördern.Die zuständige Provincial Waterworks Authority erhielt den Auftrag, eine entsprechende Studie zu erstellen und dem Kabinett bis September 2024 vorzulegen. Der Termin verstrich allerdings ohne Ergebnis. Offenbar stellte sich heraus, dass ein Projekt dieser Größenordnung zunächst eine weitere – selbstverständlich gründliche – Machbarkeitsstudie benötigt.
Diese neue Untersuchung läuft derzeit tatsächlich. Sie wurde an das Ingenieurunternehmen TEAM Consulting Engineering and Management vergeben und kostet rund 49 Millionen Baht, also etwa 1,2 Millionen Euro. Der Untersuchungszeitraum begann im Juli 2024 und soll bis Februar 2027 dauern.
In dieser Zeit wird analysiert, wie sich der Wasserbedarf in der Region entwickelt, welche Rohwasserquellen genutzt werden können, wie die Pipeline technisch umgesetzt werden könnte und welche Umweltfolgen zu erwarten sind. Außerdem wird geprüft, ob das Projekt im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Modells finanziert werden könnte.
Mit anderen Worten: Noch bevor der erste Meter Rohr verlegt wird, muss erst einmal gründlich untersucht werden, ob und wie man das Ganze überhaupt bauen sollte.
Wachsende Nachfrage nach Wasser
Die Prognosen zeigen jedenfalls, dass der Bedarf massiv steigen wird. Für die beteiligten Versorgungsgebiete entlang der geplanten Leitung wird erwartet, dass der jährliche Wasserverbrauch in den kommenden Jahrzehnten stark wächst. Zwischen 2031 und 2040 könnten rund 61 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr benötigt werden, später sogar über 120 Millionen Kubikmeter.Damit würde sich der Bedarf praktisch verdoppeln. Die Pipeline soll deshalb als eine Art infrastrukturelles Rückgrat für die gesamte Andamanenregion dienen.
Während die große Vision weiterhin studiert wird, gibt es zumindest ein kleineres Vorhaben, das bereits umgesetzt wird. Dabei handelt es sich um ein Wasserleitungsprojekt zwischen Phang Nga und Phuket mit einem Budget von etwa 3,49 Milliarden Baht (rund 88 Millionen Euro).
Die Bauarbeiten haben begonnen, allerdings eher gemächlich. Der Fortschritt liegt derzeit bei rund 2,5 Prozent, und die Fertigstellung wird nun für 2028 erwartet. Ursprünglich war 2027 vorgesehen – eine Verzögerung, die bei Infrastrukturprojekten in Thailand vermutlich noch als erstaunlich moderat gelten darf.
Die Gegenwart: Improvisation
Bis große Projekte Realität werden, versucht die Wasserbehörde mit kleineren Maßnahmen die Lage zu stabilisieren. Pumpstationen werden verstärkt, Leitungen repariert, Versorgungszonen neu organisiert und alte Rohre ersetzt. Neue Tanks und Boosterpumpen sollen zumindest verhindern, dass der Wasserdruck in beliebten Touristenorten wie Patong, Karon oder Rawai vollständig zusammenbricht.
Kurzfristig scheint die Situation unter Kontrolle zu sein. Die wichtigsten Reservoirs auf Phuket sind derzeit zu etwa 70 Prozent gefüllt, was nach Einschätzung der Behörden ausreichen sollte, um mehrere trockene Monate zu überstehen. Wenn der Monsun wie erwartet im Mai kräftige Regenfälle bringt, könnten die Speicher sogar wieder deutlich aufgefüllt werden.
Ein vertrautes Muster
Doch hinter dieser vorsichtigen Entwarnung steckt ein altbekanntes Muster. Die langfristige Lösung für Phukets Wasserproblem liegt weiterhin in der Zukunft. Große Infrastrukturprojekte existieren bislang hauptsächlich als Planungen und Studien. Selbst der Leiter der lokalen Wasserbehörde räumte ein, dass in diesem Jahr kein einziges großes Bewässerungs- oder Wassertransferprojekt tatsächlich begonnen hat.Für eine Insel, die regelmäßig an der Grenze ihrer Wasserversorgung operiert, ist das eine bemerkenswerte Situation.
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