02.09.2026
Amüsantes
Wenn der geplättete Moskito zum Geschäftsmodell wird
🦟 Klatsch, tot, verkauft: Thailänderin macht aus Mücken ein Geschäft
Doch eine thailändische TikTokerin namens Lee hat bewiesen, dass man das Problem auch unternehmerisch betrachten kann. Wo andere fluchen, kratzen und hektisch nach dem nächsten Moskitospray greifen, sieht sie vor allem eines: Rohmaterial mit Gewinnpotenzial.
Unter ihrem TikTok-Account @leesaesilp zeigte Lee ihre ziemlich ungewöhnliche Geschäftsidee und erklärte, dass ihr die eigentlich verhassten Blutsauger bereits mehr als 10.000 Baht eingebracht hätten. Einige Medien machten daraus später sogar „mehr als 10.000 Baht im Monat“, doch dafür gibt es keine wirklich belastbare Bestätigung. Mehr als 10.000 Baht Verdienst sind allerdings schon kurios genug – schließlich reden wir hier nicht über Gold, Bitcoin oder eine Eigentumswohnung in Phuket, sondern über tote Mücken.
Und die werden keineswegs einfach in eine Plastiktüte gesteckt und verkauft. Lee konserviert möglichst unbeschädigte Exemplare, trocknet sie und verarbeitet sie anschließend zu kleinen dekorativen Schlüsselanhängern. Die Mücke sitzt darin vor einem leuchtenden beziehungsweise farbigen Hintergrund – gewissermaßen als kleines Denkmal für einen gefallenen Feind, der zu Lebzeiten vermutlich noch versucht hätte, seinem späteren Besitzer Blut abzuzapfen.
Was zunächst eher als Spaß und schräge Bastelidee begann, entwickelte sich überraschend schnell zu einem echten Produkt. Freunde fanden die Anhänger witzig, die Familie offenbar ebenfalls – und irgendwann entdeckten vor allem ausländische Kunden die konservierten Blutsauger als außergewöhnliches Thailand-Souvenir.
Die Anhänger wurden für 149 Baht pro Stück angeboten, hinzu kamen 30 Baht Versandkosten. Teilweise mussten Käufer sieben bis 14 Tage auf ihr persönliches Moskito-Denkmal warten, denn die Herstellung ist komplizierter, als man bei einem bereits verstorbenen Insekt zunächst vermuten würde. Die Tiere müssen möglichst vollständig gefangen beziehungsweise eingesammelt, getrocknet und konserviert werden. Nicht jede Mücke übersteht diese zweite Karriere körperlich unversehrt.
Und irgendwie ist das Ganze tatsächlich genial. Endlich einmal ein Thailand-Mitbringsel, das vollkommen ehrlich ist. Keine kitschige Elefantenfigur, kein Kühlschrankmagnet mit einem Sonnenuntergang, den man selbst nie gesehen hat, und kein „handgefertigtes“ Souvenir, das möglicherweise containerweise aus China kam.
Stattdessen bekommt man ein authentisches Stück Thailand-Erfahrung: eine echte tote Mücke, hübsch verpackt und jederzeit am Schlüsselbund griffbereit.
Wer einmal einen tropischen Abend in Thailand draußen verbracht hat, weiß schließlich: Moskitos gehören vielerorts fast ebenso zuverlässig zum Reiseprogramm wie Pad Thai, 7-Eleven und die Frage, ob das Essen wirklich „not spicy“ ist. Andere Länder verkaufen Schnee in Glaskugeln – Thailand kann also durchaus Mücken in Schlüsselanhängern verkaufen. Konsequenter geht Souvenirwirtschaft eigentlich kaum.
Dann allerdings bekam Lee ein Problem, von dem wahrscheinlich noch nie ein Mensch in Thailand gedacht hätte, es einmal haben zu wollen:
Ihr gingen die Mücken aus.
Die Nachfrage war zeitweise größer als der Vorrat an geeigneten toten Exemplaren. Einfach wild draufloszuklatschen war keine Lösung, denn ein Moskito, der nach dem Kontakt mit einer zusammengerollten Zeitung nur noch als zweidimensionales Ersatzteil vorliegt, macht sich im transparenten Schlüsselanhänger eher schlecht.
Also begann Lee, Mückenfallen einzusetzen. Doch auch das reichte offenbar nicht immer. Schließlich suchte sie sogar öffentlich nach Lieferanten für tote Mücken und bot zunächst etwa ein bis zwei Baht pro brauchbarem Exemplar sowie zusätzlich eine Aufwandsentschädigung für das Sammeln und Konservieren.
Man muss sich dieses Gespräch nur einmal vorstellen:
„Und was machst du beruflich?“
„Einkauf.“
„Automobilindustrie? Elektronik? Lebensmittel?“
„Nein. Moskitos.“
Klingt absurd, dürfte aber immer noch ein transparenteres Geschäftsmodell sein als so manches Krypto-Startup.
Und dann geschah etwas, das diese ohnehin schon herrlich schräge Geschichte endgültig rund machte. Ein Anbieter beziehungsweise Betreiber von Mückenfallen bekam Wind von Lees Beschaffungsproblem und bot ihr an, tote Mücken kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und als wäre das nicht schon schön genug, bestellte er anschließend selbst einen ihrer Schlüsselanhänger.
Damit war die vermutlich erste nahezu perfekte Moskito-Kreislaufwirtschaft geschaffen: Einer baut Geräte, die Mücken töten, Lee verwandelt die Opfer in Souvenirs und am Ende kauft der Mückentöter sein eigenes Ausgangsmaterial als fertiges Produkt zurück.
Die Mücke stirbt, der Schlüsselanhänger lebt – und TikTok schaut begeistert zu.
Denn dort entwickelte sich die Geschichte zum viralen Hit. Einer der Beiträge rund um die ungewöhnlichen Souvenirs kam auf mehrere Millionen Aufrufe, rund 350.000 bis 360.000 Likes und mehr als 3.000 Kommentare. Plötzlich interessierten sich nicht mehr nur potenzielle Käufer für die kleinen Blutsauger, sondern auch thailändische und internationale Medien.
Lee selbst nahm den Erfolg vergleichsweise entspannt und ermutigte andere dazu, ungewöhnliche eigene Ideen einfach auszuprobieren.
Und vielleicht steckt darin tatsächlich die schönste Botschaft dieser Geschichte. Wer hätte schließlich gedacht, dass ausgerechnet eines der unbeliebtesten Lebewesen eines tropischen Urlaubs einmal Grundlage für ein kleines Geschäftsmodell werden könnte?
Während andere lange Businesspläne schreiben, Marktanalysen erstellen und darüber diskutieren, welches Produkt die Welt unbedingt noch braucht, hat Lee offenbar einfach auf eine Mücke geschaut und sich gedacht:
Da müsste doch Geld mit zu verdienen sein... Sie hatte recht.
Für 149 Baht kann nun ein Tier, das normalerweise innerhalb weniger Sekunden mit einem genervten „Klatsch!“ aus dem Leben befördert wird, noch jahrelang am Schlüsselbund seines ehemaligen natürlichen Feindes weiterreisen.
Vom nervigen Blutsauger zum Thailand-Souvenir – mehr gesellschaftlichen Aufstieg schafft eine Mücke vermutlich nicht.Und irgendwo sitzt jetzt vielleicht eine ihrer noch lebenden Kolleginnen an einer Wand, betrachtet die Karrierechancen ihrer Art und denkt:
„Mist. Früher waren wir einfach nur eine Plage. Jetzt sind wir Rohstoff.“
Und welche schnappen wir uns heute?
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