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09.04.2025

Wirtschaft  

Zahltag für Thailand - made in White House

Thailand bleibt höflich - und sucht sich derweil neue Freunde

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Es gibt diplomatische Feingefühle, wirtschaftspolitische Strategien – und dann gibt es amerikanische Zollpolitik unter Präsident „Tariff-Trump 2.0“ . Während Thailand an Innovation, Standortattraktivität und fairen Handel glaubt, zieht der US-Präsident eine handelsstrategische Abrissbirne mit 36 % Zöllen aus dem Werkzeugkasten. Und das mit einer Eleganz, die irgendwo zwischen Vorschlaghammer und Vorschulmathematik liegt.

Laut der Föderation der thailändischen Industrie (FTI) droht Thailand nun ein geschätzter Einnahmenverlust von satten 900 Milliarden Baht (rund 23 Milliarden Euro), ausgelöst durch die von Washington geplanten „Gegenzölle“. Klingt nach „America First“, ist aber wirtschaftlich irgendwo zwischen kollektivem Selbstmordpakt und geopolitischem Spontanauszug angesiedelt.

FTI-Präsident Kriangkrai Thiennukul lässt keinen Zweifel: Die wirtschaftlichen Auswirkungen treffen gleich mehrere Branchen mit voller Breitseite. Besonders betroffen sind – Achtung, tief Luft holen – die Automobil-, Lebensmittel-, Kunststoff-, Chemie-, Stahl-, Aluminium-, Textil-, Elektronik- und Maschinenbauindustrie. Kurzum: Ein industrielles Massaker.

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Ein Paradebeispiel liefert die Automobilbranche. Seit März wird bereits ein 25 %-Zoll auf Importe aus Thailand erhoben. Mit der angedrohten Zusatzportion von 36 % wird das Ganze zur handelspolitischen Vollkatastrophe. Motorradbauer könnten ihre Produktion komplett aus Thailand abziehen – nicht, weil sie Lust auf Abenteuer haben, sondern weil ein Rechnen mit Zollrechnern in Washington offenbar nicht mehr möglich ist.

Auch die thailändische Lebensmittelindustrie, bislang mit Exportschlagern wie verarbeiteten Produkten und Meeresfrüchten auf der Gewinnerseite, wird durch die neuen Zölle empfindlich getroffen. Die bisherige Zollbefreiung wäre passé – und mit ihr die Wettbewerbsfähigkeit auf dem US-Markt. Eine Dosen-Thunfisch-Tragödie mit Ansage.

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Die Chemiebranche, die jährlich Waren im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar in die USA liefert, dürfte ebenfalls Federn lassen. Und während US-Importeure von thailändischen Textilien bei diesen Preisen gleich ganz abwinken, reiben sich in Washington wohl Lobbyisten anderer Länder die Hände – oder eher: werfen verzweifelt mit Sojabohnen auf ihre Wände.

Nur ein kleiner Lichtblick am Horizont: Die thailändische Schuhindustrie könnte sogar profitieren. Denn Länder wie Vietnam und Kambodscha sehen sich noch höheren Zöllen gegenüber – ein klassischer Trostpreis im globalen Handelsspiel „Wer verliert am wenigsten?“.

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Die FTI schlägt Alarm und fordert von der thailändischen Regierung dringend Verhandlungen mit der US-Administration. Man solle schleunigst über Zollsenkungen bei US-Produkten wie Mais, Thunfisch und Fleisch sprechen – immerhin will Thailand ja auch nicht wie der letzte Cowboy dastehen, der sich im Handelskrieg nur duckt.

Auch ein Vorschlag: Zertifikate für den Ursprung thailändischer Produkte wie Festplatten und Solarzellen sollen helfen, sich aus dem Zollirrsinn zu befreien. Eine Art Herkunftsnachweis gegen wirtschaftliche Willkür – viel Glück dabei.

Nicht 36 %, sondern 61 % bis 70 %

Zur Erklärung, der von Trump verhängten Zollsätze, sei nochmals angemerkt, dass diese additiv sind. Es geht also nicht um die 36 % gegen Thailand, sondern um die bereits im März verhängten 25 % plus die 36 % Strafzölle. Das macht, wenn beide vom Nettowert erhoben werden, 61 % Einfuhrzoll, allerdings, wenn es sich, wie von Trump kolportiert, um Strafzölle auf die Gesamtsumme handelt, dann sind es sogar 70 %.

Thailands Zölle

Thailand erhebt Importzölle auf Waren, die in das Land eingeführt werden. Die Höhe dieser Zölle variiert je nach Produktkategorie und Ursprungsland. Im Jahr 2021 betrug der durchschnittliche Meistbegünstigungszollsatz (MFN) für landwirtschaftliche Produkte 31,2 % und für nicht-landwirtschaftliche Produkte 8,4 %.
Beispiele für Thailands Zolltarife:

Thailand hat Freihandelsabkommen (FTAs) mit verschiedenen Ländern und Regionen abgeschlossen, darunter die ASEAN-Mitgliedstaaten, China, Japan, Australien und Indien. Diese Abkommen ermöglichen für bestimmte Produkte reduzierte oder zollfreie Einfuhrzölle, sofern die Ursprungsregeln erfüllt sind.


Anm. der Red.:
Thailand versucht, mit Vernunft, Fairness und Verlässlichkeit zu punkten – während im Weißen Haus offenbar jemand sitzt, der internationale Wirtschaftsbeziehungen für ein Wildwest-Kartenspiel hält. Vielleicht braucht die Welt einfach mal wieder weniger Strafzölle – und mehr Staatsmänner, die wissen, wie man mit Partnern redet, ohne gleich die Abrissbirne zu schwingen.

Und wenn irgendwann mal eine Gedenktafel für „wirtschaftliche Selbstsabotage durch Zollpolitik“ aufgestellt wird, dann wissen wir jetzt schon, welche Regierung darauf stehen wird – inklusive einer Fußnote in 36 % fetter Schrift.

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