Amüsantes
Der BH-Tempel auf der Brustmilch-Insel
Chao Mae Nom Sao: Wenn Spiritualität Körbchengröße trägt
Wer glaubt, Spiritualität müsse immer feierlich, ernst und dezent sein, war offensichtlich noch nie in der Provinz Prachuap Khiri Khan. Dort, wo Palmen rauschen, Fischer fluchen und Touristen mit Mango-Sticky-Rice in der Hand Selfies schießen, steht einer der wohl skurrilsten Tempel Thailands: der Chao Mae Nom Sao Shrine – kurz gesagt, der heilige Ort, an dem man für erfüllte Wünsche keinen Blumenketten, sondern Büstenhalter spendet.
Ja, richtig gelesen: Hier hängen BHs. In allen Größen, Farben und Preisklassen – von zartem Spitzenmodell bis zu robustem Baumwoll-Panzer, der schon in einem Monsun standgehalten haben dürfte. Manche wirken getragen, andere frisch aus dem Kaufhaus. Alle sind sie Opfergaben an die Schutzgöttin Chao Mae Nom Sao, die offensichtlich Sinn für Humor und Weiblichkeit hat.
Göttin mit Stilgefüh
Die Geschichte beginnt, wie so viele thailändische Legenden, irgendwo zwischen Tragödie, Romantik und Esoterik. Einst soll eine junge Frau namens Yomdoy ein so bewegtes Leben geführt haben, dass nach ihrem Tod ihre Energie zwei kleine Inseln formte – die heute als Koh Nom Sao, wörtlich „Brustmilch-Insel“, bekannt sind. Zwei sanft gerundete Felsen, deren Silhouette von bestimmten Blickwinkeln verdächtig anatomisch wirkt.Kein Wunder also, dass der Schrein am Ufer dieser Inseln der Weiblichkeit gewidmet ist. Die Göttin dort, sagen die Einheimischen, helfe bei Liebeskummer, Kinderwunsch und allen Herzensangelegenheiten, bei denen das Universum eine weibliche Hand im Spiel haben sollte. Und wenn sich ein Wunsch erfüllt, bedankt man sich – mit einem BH. Schließlich wäre alles andere ja unpassend.
Fruchtbarkeit trifft Fantasie
Während in anderen Ländern Kerzen angezündet werden, stapeln sich hier also Dessous. Besucher hängen sie liebevoll an Stäbe, Geländer und Dachbalken – ein buntes Meer aus Cups und Haken, das mehr an eine tropische Victoria’s-Secret-Ausstellung erinnert als an einen Tempel.Die Einheimischen nehmen es gelassen. Für sie ist das Ganze eine charmante Mischung aus Glaube, Humor und Lebensfreude. Ein Fischer aus der Gegend soll einmal gesagt haben: „Wenn die Göttin uns Glück bringt, kann sie ruhig eine kleine Wäscheleine voll BHs haben.“ Thailändische Pragmatik in Reinform.
Tourismus mit Bügel
Natürlich hat sich auch der Tourismus längst angepasst. Selfies vor der „BH-Wand des Glaubens“ sind fast schon Pflichtprogramm, und findige Souvenirhändler in der Nähe verkaufen mittlerweile extra verzierte Spenden-BHs mit Glitzerherzchen und Lotusstickerei – „for lucky love only“.Doch hinter der ganzen Komik steckt ein durchaus ehrlicher Kern: Der Schrein zeigt, wie Thailands Spiritualität funktioniert – ernsthaft im Glauben, aber nie humorlos. Wo andere Religionen zur Strenge neigen, darf man hier lächeln, hoffen und danken – mit einem Augenzwinkern und einem Spitzenrand.
Ein Tempel, der Haltung zeigt
Der Chao Mae Nom Sao Shrine ist mehr als nur eine Kuriosität. Er ist ein Symbol für die thailändische Art, das Leben zu sehen: mit Herz, Fantasie und der stillen Gewissheit, dass das Göttliche auch Sinn für Mode haben darf.Wer also in Prachuap Khiri Khan vorbeikommt, sollte unbedingt einen Besuch wagen. Und falls der letzte Herzenswunsch in Erfüllung gegangen ist – bitte nicht mit leeren Händen erscheinen. Ein passender BH wäre das Mindeste.
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