Lügen verboten - Teure Fake-News in Thailand
Thailand und das Internet: Warum Lügen online in Thailand riskant sind
Wenn „Fake News“ strafbar sind
In Thailand greift bei falschen oder irreführenden Informationen vor allem der Computer Crime Act. Klingt erstmal technisch, hat es aber in sich. Wer online bewusst falsche Informationen verbreitet – vor allem solche, die Panik auslösen, der Öffentlichkeit oder Unternehmen, Personen schaden oder wirtschaftliche Folgen haben könnten – bewegt sich schnell in einer rechtlichen Grauzone, die gar nicht mehr so grau ist.Das betrifft nicht nur große politische Themen, sondern kann auch bei scheinbar harmlosen Posts passieren. Ein falsches Gerücht, ein übertriebener Kommentar oder ein emotionaler Rundumschlag – und schon kann es unangenehm werden und teuer, sehr teuer.
Noch strenger wird es bei persönlicher Kritik. Verleumdung ist in Thailand nämlich nicht nur ein zivilrechtliches Thema, sondern strafbar. Und das bedeutet: Ein Post, der in Europa vielleicht nur als „unschön“ gilt, kann dort echte Konsequenzen haben.
Weniger Lügen, weniger Hass
Wenn weniger gelogen und weniger gehetzt wird, wäre das Internet vermutlich ein etwas angenehmerer Ort. Keine wilden Verschwörungstheorien, weniger persönliche Angriffe, weniger digitale Empörung im Minutentakt.In dieser Hinsicht wirkt das thailändische System fast wie ein Gegenentwurf zur oft völlig enthemmten Online-Kultur im Westen. Während dort jeder alles behaupten kann und sich die Wahrheit irgendwo zwischen Kommentarspalten verliert, wird in Thailand zumindest versucht, eine gewisse Grenze zu ziehen.
Die Idee dahinter ist nicht völlig absurd: Weniger Lügen können tatsächlich zu weniger Hass führen, aber die Realität ist – wie so oft – dann doch etwas komplizierter.
Denn sobald der Staat oder Behörden definieren, was „wahr“ oder „falsch“ ist, wird es heikel. Die Grenze zwischen legitimer Meinungsäußerung und „verbotener Information“ ist nicht immer glasklar. Und genau hier beginnt die Diskussion, die weit über Thailand hinausgeht.
Denn schauen wir uns die Weltpolitik an, wird schnell deutlich: Mit der Wahrheit nehmen es viele nicht ganz so genau. Ob Donald Trump mit seinen „alternativen Fakten“, Wladimir Putin mit strategischer Desinformation oder auch diverse Politiker in Europa und Deutschland – die Grenzen zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und politischer Inszenierung verschwimmen zunehmend.
Auch in Deutschland wird immer häufiger offen gelogen, das Ehrgefühl schwindet, Lügen sind salonfähig geworden und gelten scheinbar bei manchen eher als Stilmittel, denn als Charakterlosigkeit und Boshaftigkeit.
Das eigentlich Ironische daran: Während auf großer Bühne Narrative gebastelt werden, kann der normale Nutzer im Internet für einen falschen Post in oder aus Thailand plötzlich echte Probleme bekommen. Auch wir müssen uns bei jeder News mehrfach absichern, vor allem wenn es um kritische Berichte geht.
Der Corona-Schwindler Sucharat Bhakdi kann davon ein Lied singen, aber auch einige Touristen, die mit negativen Hotelbewertungen etwas übers Ziel hinausgeschossen sind.
Zwischen Schutz und Kontrolle
Thailand zeigt damit ein Spannungsfeld, das weltweit immer relevanter wird:Wie schützt man die Öffentlichkeit vor gezielten Falschinformationen, ohne gleichzeitig Meinungsfreiheit einzuschränken? Die Antwort ist nicht einfach. Und sie fällt je nach Land sehr unterschiedlich aus.
Thailand hat sich für einen eher strikten Weg entschieden. Das sorgt für mehr Kontrolle – aber eben auch für weniger Spielraum. Ja, Lügen im Internet sind in Thailand nicht nur unerwünscht, sondern können tatsächlich strafbar sein, mit empfindlichen Strafen und ab und an, horrenden Schadensersatzforderungen.
Das kann dazu führen, dass Diskussionen vorsichtiger geführt werden und extreme Auswüchse seltener sind. Gleichzeitig bleibt die Frage, wer letztlich entscheidet, wo die Grenze verläuft. Oder etwas nüchterner gesagt: Während anderswo jeder alles behaupten darf, überlegt man in Thailand vielleicht einmal mehr, bevor man auf „Posten“ klickt.
Und ganz ehrlich – ein kleines bisschen weniger Unsinn im Netz würde uns global wahrscheinlich auch nicht schaden.
Überraschend hohe Strafen
Neben klassischen Fake News spielt in Thailand auch Verleumdung eine große Rolle – und zwar deutlich ernster als in vielen westlichen Ländern. Während dort Streitigkeiten oft zivilrechtlich geklärt werden, ist Verleumdung in Thailand tatsächlich strafbar.Das bedeutet ganz konkret: Schon negative Aussagen über Personen oder Unternehmen können rechtliche Folgen haben. Dabei spielt es keine große Rolle, ob es sich um einen Social-Media-Post, eine Bewertung oder einen Kommentar handelt. Selbst Aussagen, die nicht komplett erfunden sind, können problematisch werden, wenn sie als rufschädigend eingestuft werden.
Die möglichen Konsequenzen sind alles andere als harmlos. Neben Geldstrafen drohen auch Haftstrafen von bis zu zwei Jahren. Was andernorts vielleicht als „Meinung“ oder „Kritik“ durchgeht, kann hier schnell zu einem echten juristischen Problem werden.
Noch deutlich sensibler wird es, wenn es um die Monarchie geht. Hier greift das sogenannte Lèse-majesté law, eines der strengsten Gesetze seiner Art weltweit. In diesem Bereich ist die Toleranzgrenze praktisch nicht vorhanden. Selbst kleinste oder indirekte Aussagen können verfolgt werden. Dabei geht es nicht nur um klare Beleidigungen, sondern oft auch um Interpretationen oder Andeutungen.
Die Strafen sind entsprechend drastisch. Für jeden einzelnen Verstoß drohen zwischen drei und fünfzehn Jahren Haft – und das pro Aussage. Das macht deutlich, wie ernst dieses Thema in Thailand genommen wird. Während in vielen Ländern über Politik oder öffentliche Personen offen diskutiert wird, gilt hier ein ganz anderer Maßstab.
Quellen: Computer Crime Act B.E 2550, LawPlus Ldt., Primelegal, NationalTH

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