Kultur
Thailändische Volksdroge Kratom
Grüne Blätter mit großer Wirkung: Kratom und seine Rolle in Thailand
Kratom, die mit bis zu 20 cm Länge sehr grossen Blätter des Mitragyna speciosa (aus der Familie Rubiaceae), wachsen an einem 4 bis 16 Meter hohen tropischen Baum, der in Südostasien beheimatet ist.
Niedrig dosiert wirkt Kratom anregend. In Thailand werden die Blätter gekaut und zur Bekämpfung der Müdigkeit beispielsweise bei langen Arbeitszeiten eingesetzt. Höheren Dosen wirken hingegen beruhigend bis narkotisierend. Es wird daher auch als Opiumersatz benutzt.Viele thailändsiche LKW- oder Busfahrer kauen die Blätter um fit zu bleiben, was allerdings, wenn man die häufigen Unfälle durch Müdigkeit betrachtet, nicht immer perfekt zu funktionieren scheint.
Nach Einnahme einiger weniger getrockneter Blätter setzt die belebende Wirkung innerhalb von 10 Minuten ein und hält bis etwa eineinhalb Stunden an. Berichtet wird, dass Kratom die Aufmerksamkeit, das Arbeitsvermögen und die Geselligkeit erhöht, manchmal auch die sexuelle Begierde. Große Mengen Kratom, dem entsprechen etwa 10-25 g der getrockneten Blätter, führen zu einem traumähnlichen Zustand, der bis zu sechs Stunden anhält. Die Pflanze wird in Thailand aber auch schon lange als traditionelle Medizin verwendet.
Um die belebende und euphorische Wirkung zu spüren, kaut man jeweils ein bis drei frische Blätter. Die Blattvenen werden vor dem Verzehr üblicherweise entfernt und geschluckt wird nur das zerkaute Material. Anschließend trinkt man warmes Wasser oder Kaffee, Tee oder Palmzuckersirup. Manche machen aus den getrockneten Kratomblätten aber auch einen Tee oder schneiden sie klein und rauchen sie eingewickelt in Papier.
Regelmäßiger Konsum von Kratom kann Abhängigkeit hervorrufen. Die Entzugssymptome beim Menschen sind relativ leicht und klingen in der Regel innerhalb einer Woche wieder ab. Die getrockneten Blätter werden in Europa in pulverisierter- oder Tablettenform unter anderem in Onlineshops als „Legal High“ vermarktet.
Die lange Tradition des Kratom
Die Geschichte von Kratom in Thailand reicht viele Jahrhunderte zurück. Besonders im Süden des Landes kauten Bauern, Fischer und Plantagenarbeiter traditionell die frischen Blätter des Kratombaums, um Müdigkeit zu vertreiben, ihre Ausdauer zu steigern und die harte Arbeit in tropischer Hitze besser zu bewältigen.Kratom war lange ein ganz gewöhnlicher Bestandteil des Alltagslebens und wurde ähnlich selbstverständlich genutzt wie in anderen Ländern Kaffee oder Tee. Erst 1943 wurde die Pflanze von der thailändischen Regierung verboten – weniger aus gesundheitlichen Gründen als vielmehr aus wirtschaftlichen Interessen, da Kratom als Konkurrenz zum staatlich besteuerten Opium galt.
Jahrzehntelang blieb die Pflanze illegal, wurde jedoch vor allem in ländlichen Regionen weiterhin genutzt. Erst 2022 erfolgte die Legalisierung, und Kratom kehrte offiziell in die thailändische Gesellschaft zurück. Heute erlebt die traditionsreiche Pflanze eine regelrechte Renaissance und ist sowohl als Naturprodukt als auch als wachsender Wirtschaftszweig wieder fest in Thailand verankert.
Kratom heute: legal, aber nicht völlig ohne Regeln
Seit der Legalisierung 2022 hat sich bei Kratom in Thailand einiges getan. Die Blätter dürfen heute grundsätzlich legal angebaut, verkauft und konsumiert werden, trotzdem ist Kratom kein völlig rechtsfreier Raum.Der Verkauf an Minderjährige sowie an Schwangere und Stillende ist verboten, und auch für die Vermarktung und Verarbeitung gelten inzwischen klare gesetzliche Vorgaben. Gleichzeitig hat sich Kratom von einer traditionellen Pflanze der Landbevölkerung zu einem interessanten Wirtschaftsfaktor entwickelt. Neben dem Verkauf auf lokalen Märkten entstehen immer mehr Produkte für den heimischen Markt und den Export.
Bei den oft genannten medizinischen Wirkungen sollte man jedoch etwas vorsichtig bleiben: Viele traditionelle Anwendungen sind seit Generationen bekannt, wissenschaftlich sind längst nicht alle positiven Effekte eindeutig belegt. Kratom bleibt damit eine spannende Pflanze zwischen Tradition, Genussmittel, Naturheilmittel und wachsendem Wirtschaftszweig.
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