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20.10.2025

Amüsantes  

Der Skandal um den nackten Popo von Patpong in Bangkok

Blumen statt Backen: Die Zensurblüte an der Hotelmauer

Photo courtesy of Myrtille Tibayrenc  https://www.facebook.com/myrtille.tibayrenc

Bangkok hat ja vieles gesehen – von schillernden Go-Go-Bars bis zu Touristen, die glauben, Chang-Bier sei ein Kulturerlebnis. Doch was offenbar zu viel für die thailändische Moral war: ein nackter, gezeichneter Popo in einem künstlerischen Werk an der Hotelfassade.

Die französische Künstlerin Myrtille Tibayrenc, von Freunden liebevoll „Mimi“ genannt, hatte ein Wandbild geschaffen, das selbst Botticelli vermutlich als „recht brav“ bezeichnet hätte: ein androgynes, junges Wesen, nackt, aber ästhetisch drapiert, flankiert von Vögeln und Pflanzen. Renaissance trifft Tropenflair – oder, in den Augen mancher Hoteldirektoren, schlicht: Skandal!

Der Schock im Sündenviertel

Das besagte Hotel liegt ausgerechnet an der Soi Patpong, also mitten im legendären Rotlichtviertel von Bangkok, wo halbnackte Tänzerinnen quasi zur städtischen Infrastruktur gehören. Und genau dort entschied das Management, dass ein gemalter Hintern die öffentliche Ordnung gefährde. Also griff man beherzt zum Eimer mit dunkelblauer Farbe – Zensur deluxe – und tilgte die sündige Anatomie kurzerhand aus dem künstlerischen Werk. Das Ergebnis: aus Spuren von Erotik wurde reine Botanik.

Photo courtesy of Myrtille Tibayrenc  https://www.facebook.com/myrtille.tibayrenc
Mimi Tibayrenc war empört. Auf Facebook schrieb sie, ihre Arbeit sei „komplett zensiert worden, ohne meine Erlaubnis!“ Und das in einer Gegend, wo die lokale Definition von „Jugendschutz“ vermutlich lautet: „Happy Hour ab 17 Uhr“. Es sei ironisch, dass ihr Gemälde nur ein paar Meter von Patpong entfernt ist, wo hunderte Mädchen halbnackt sind... was für eine Heuchelei! Tja, da hat sie nicht ganz Unrecht. Offenbar ist Nacktheit in Bangkok nur dann moralisch vertretbar, wenn sie mit einer Diskokugel beleuchtet wird und Eintritt kostet.

Die Behörde weiß von nichts

Kaum war der Shitstorm in vollem Gange, meldete sich das Bang Rak District Office auf Facebook: Nein, nein, die Stadtverwaltung habe nichts mit der Aktion zu tun! Der Hotelbesitzer habe das selbst veranlasst, um – Zitat – „das Kunstwerk zu korrigieren“.
Korrigieren! Als wäre der Künstler betrunken ausgerutscht und hätte versehentlich einen Po zu viel gemalt.

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Zur Beruhigung schrieb das Amt noch, die Künstlerin sei „vorab informiert worden“. Dumm nur, dass Mimi exakt das Gegenteil öffentlich erklärte. Wenig später löschte das Bezirksamt seinen eigenen Facebook-Post wieder – vermutlich nach einem internen Meeting mit dem Titel „Wie man sich elegant aus der Affäre pinselt“.

Seitdem herrscht Funkstille seitens der Behörden. Kein Statement, keine Erklärung – aber immerhin ein sehr hübsches Blumenmuster, das nun den ehemals nackten Rücken des Gemäldes bedeckt. Und während Touristen weiter durch Patpong schlendern, vorbei an tanzenden Kellnerinnen und Leuchtreklamen, an Live Bühnenshows mit völlig textillosen „Tänzerinnen“, Ping-Pong-Shows und eingeölten nackigen Naturpopos, bleibt der einzige wirklich zensierte Körperteil der von Mimis Wandbild.


Danke für die Bilder an die Künstlerin Myrtille Tibayrenc

Quellen: Myrtille Tibayrenc, The Nation

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